Sprechstunde

Wie gefährlich sind Wespenstiche für unseren Sohn?

Tatjana W. aus Lankwitz fragt: Mein Mann und ich sind Allergiker, bei unserem vierjährigen Sohn haben wir bisher nichts festgestellt. Trotzdem haben wir Angst vor Bienen- oder Wespenstichen. Wie wahrscheinlich ist eine allergische Reaktion?

Bienen- und Wespenstiche erfolgen nur dann, wenn die Tiere sich bedroht fühlen oder aber aus Versehen gequetscht werden, zum Beispiel durch Drauftreten. Für Nicht-Allergiker sind erst mehrere hundert Stiche lebensgefährlich. Deshalb ist es sehr wichtig, beim Anblick einer Wespe oder Biene nicht in Panik zu geraten, sondern Ruhe zu bewahren. Bei hektischen Bewegungen fühlen sich die Tiere häufig angegriffen und stechen.

Bienenstiche erkennt man daran, dass der Stachel samt Widerhaken noch in der Haut steckt. Er muss vorsichtig entfernt werden, denn an dem Stachel hängt in einem Säckchen das Bienengift. Wird diese Giftblase mit den Fingern zerdrückt, gelangt mehr Bienengift in die Einstichstelle. Am besten ist das vorsichtige Ziehen mit einer Pinzette oder das Schieben des Stachels von unten nach oben. Im Gegensatz hierzu kann eine Wespe mehrfach stechen, sie behält ihren Stachel.

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf einen Stich, allerdings muss durch einen ersten Stich zunächst eine Sensibilisierung erfolgen. Beim nächsten Stich reagiert der Körper dann mit einer heftigen Abwehrreaktion, und zwar schon einige Minuten danach. In der Regel schwillt die Haut stark an und juckt unerträglich. Bei einem Kollaps mit kaltem Schweiß und Atemnot (anaphylaktischer Schock) muss sofort der Notarzt angerufen werden. Zum Glück kommt eine solche schwere allergische Reaktion bei Kindern sehr selten vor. Hier hilft nur eine Hyposensibilisierung, die am besten in den Wintermonaten durch wöchentliche Injektionen mit steigenden Insektengiftmengen durchgeführt wird. Solange die Hyposensibilisierung nicht wirksam ist, sollten Notfallmedikamente gegen einen anaphylaktischen Schock mitgeführt werden (Antihistaminika, Cortison, Adrenalin).

Zum Glück kommt es in der Regel nur zu Schmerzen, Schwellungen und Rötungen im Bereich der Einstichstelle. Hier hilft rasche Kühlung, aber auch Hausmittel wie rohe Zwiebel. Wird diese sofort auf den Stich gelegt und die Stelle verbunden, kommt es zu rascher Linderung. Der Verband hilft auch, die Kinder vom Kratzen abzuhalten, sodass man eine zusätzliche Infektion mit Bakterien vermeiden kann. Am besten hilft - wie immer - vorbeugen:

Lassen Sie Ihr Kind nicht barfuß über Wiesen laufen! Bienen halten sich gerne im Wiesenklee auf, Wespen leben oft in Bodenlöchern. Vorsicht bei reifem Fallobst, beim Obst- und Blumenpflücken! Sollten Sie picknicken, vermeiden Sie Süßes. Auch Fleischreste sind ein Leckerbissen insbesondere für Wespen. Decken Sie Trinkgefäße zu und vermeiden Sie undurchsichtige Behälter, damit nicht aus Versehen eine Wespe in den Mund Ihres Kindes gerät. Am besten ist ein dünner Strohhalm. Wespen und Bienen lieben stark parfümierte Pflegeprodukte, im Freien am besten meiden.

Ein Arzt sollte unbedingt aufgesucht werden bei schwerer allergischer Reaktion, aber auch wenn Ihr Kind im Bereich des Auges oder Mundes gestochen wurde. Auf dem Weg dorthin sollten Sie die Stichstelle kühlen.

Beatrix Schmidt, Chefärztin für Kinder-und Jugendmedizin