Queen-Musical "We will rock you"

Einmal ein Rebell sein

| Lesedauer: 5 Minuten

Fabrice (9) streicht ehrfurchtsvoll über das meterhohe Gerüst, rüttelt vorsichtig daran. Sein Blick schweift nach oben. "Mann, wär' das cool, mal da oben zu sitzen und Beleuchter zu sein", sagt der Schüler aus Spandau: "So `ne Bühne, das ist einfach super." Nina ist ganz seiner Meinung. Mit ihrer Handykamera versucht sie, jeden Winkel der Hauptbühne im Theater des Westens einzufangen.

Auch sie hat eine Vision: "Ich liebe es zu singen, habe mir schon einige Lieder selbst ausgedacht. Vielleicht werde ich ja mal Sängerin", sagt die Zehnjährige.

Träume wecken und Träume wahr werden lassen: Das ist auch das Ziel des Teams von "We will rock you", das heute 25 musikbegeisterte Kinder von Lesern der Berliner Morgenpost zu einem exklusiven Rundgang hinter die Kulissen des Musicals eingeladen hat. Drei Stunden lang lassen die Darsteller Silke Braas und Sascha Krebs sowie die Choreographin Nina Ungerer die Mädchen und Jungen an ihrer Begeisterung für die Show teilhaben - und haben nicht viel Mühe, sie mit ihrer Freude anzustecken.

Viele Fragen kommen auf. "Wie bist du eigentlich zu deiner Rolle gekommen?", fragt Nina Silke Braas. Die 35-Jährige spielt die Rebellenanführerin Ozzy in dem futuristischen Musical, das den Rahmen für mehr als zwei Dutzend Queen-Klassiker abgibt. "Ich habe vorgesungen", erzählt Silke Braas, "aber davor war ich auf einer Musicalschule, wo ich Gesang, Schauspiel und Tanz studiert habe." "Und schläfst du auch hier im Theater?", bohrt Nina beim Blick in die Garderobe weiter. "Nein", lacht Silke Braas. "Ich wohne zehn Minuten von hier entfernt. Aber ich muss viel umziehen - je nachdem, in welcher Show ich beschäftigt bin. Vor der Zeit in Berlin war ich in Stuttgart und Wien."

Sieben Mal pro Woche stehen die Darsteller auf der Bühne - assistiert von zahlreichen Helfern. "Rund hundert Menschen sind pro Vorstellung beschäftigt, davon 30 im Ensemble", erklärt Sascha Krebs (35). Einige davon lernen die Kinder bei ihrem Rundgang persönlich kennen. Gebannt beobachten sie, wie zwei Maskenbildnerinnen die Bohemians Nikki und Amanda schminken und ihre Haare "schneckeln", das heißt, sie so aufdrehen, dass die wilden, bunten Perücken perfekt auf den Köpfen sitzen. Bis zu eineinhalb Stunden kann die Prozedur dauern, erfahren die Kinder. In der "Black Box" über der Hauptbühne können sie die Kostüme betasten, auf der Hinterbühne die Requisiten wie Autowracks und eine echte hölzerne Bartheke bestaunen. Das Bier in den Flaschen allerdings, erfahren die Acht- bis 14-Jährigen auf Nachfrage, ist dann doch nicht echt.

Schließlich geht es noch einmal auf die Hauptbühne zur Überraschung des Tages. Nicht nur Choreographin Nina Ungerer erwartet die Kinder dort, sondern auch die Eltern und Großeltern. Sie haben in den vorderen Reihen des 1500 Zuschauer fassenden Saals Platz genommen und warten auf eine Kostprobe des Musicals - unter Beteiligung der Kinder. "So, ich zeig euch mal die Luftgitarre und die Schritte", ruft Nina Ungerer den Kindern zu. Philipps Augen beginnen zu glänzen. "Ich wollte schon immer was mit Musik machen, das kommt einfach so aus mir raus", sagt der Elfjährige, der im Chor singt und trommelt. Begeistert rockt er mit Nina Ungerer mit. Auch Joelle aus Pankow ahmt die Schrittfolgen konzentriert nach. Lampenfieber? Von wegen: "Ich bin es gewöhnt, vor anderen zu spielen", sagt die Zehnjährige selbstbewusst. "Ich spiele seit fünf Jahren Geige und bin schon öfters aufgetreten. Irgendwann will ich mal so spielen wie David Garrett."

Ein Tontechniker dreht die Musik auf. "We will, we will rock you", dröhnt es aus den Boxen. Die Kinder beginnen sich im Takt zu bewegen, und auch einige Eltern hält es jetzt nicht mehr auf ihren Sitzen. Oliver Siebert, Vater von Isabella (11) aus Tempelhof, springt auf die Bühne, löst seinen Zopf und schüttelt seine langen Haare. Auch Angelika Kallweit, Großmutter von Fabrice, wippt mit der Musik mit. "Queen, das ist total meine Musik", sagt sie mit einem schwärmerischen Blick.

Serge Skoll, Vater von Gregor (9) aus Dahlem, geht am Bühnenrand in Stellung. Die Formation aus Darstellern und Kindern hat sich im hinteren Teil der Bühne zurückgezogen, um sich zum Schlussbild zu sammeln. Kaum ertönt die Musik, stürmen alle gemeinsam durch das Eisentor und zeigen ihre Luftgitarren-Performance. Auch die übrigen Eltern erheben sich nun und jubeln. Der nächste Familienausflug, das beschließen in diesem Moment wohl viele, geht ins Musical.

"We will rock you" läuft bis 21. Oktober im Stage Theater des Westens, Kantstr. 12, 10623 Berlin. Vorstellungen Di, Mi, Do, Fr, Sa Abend sowie Sa und So um 14.30 Uhr. Tickets ab 29,90 Euro zzgl. Gebühren.