Gesundheit

Kontakt trainiert das Gedächtnis

Körperlich und geistig fit bleiben bis ins hohe Alter und ohne Alzheimer - das ist der Traum, den wohl jeder hat. "Neue Forschungsergebnisse aus Deutschland, den USA und Kanada zeigen eindeutig, dass eine rechtzeitige Alzheimer-Prävention den Eintritt der Krankheit zwar nicht verhindern, aber um Jahre hinauszögern kann", sagt der Erlanger Psychologieprofessor Wolf D. Oswald.

Seit mehr als 20 Jahren leitet Oswald ein Forschungsprojekt über Bedingungen zur Erhaltung von Selbstständigkeit im höheren Lebensalter (SimA). Fazit seiner wissenschaftlichen Untersuchungen: Der Krankheitseintritt lässt sich um fünf bis zehn Jahre verzögern, wenn man körperlich und geistig aktiv bleibt. "Die Betonung liegt dabei auf dem und ."

Oswald empfiehlt, am besten täglich zwei Kilometer zu gehen und alle geistigen Routinen zu meiden. "Dazu gehört, dass man wieder im Kopf rechnet, sich bewusst etwas merken will, Neues ausprobiert, ein Ehrenamt übernimmt", sagt der Experte. Wem das zu schwierig sei, der könne auch einfache Trainingsprogramme zur Vermeidung von Alzheimer anwenden.

In einem Beitrag für die Zeitschrift ProAlter des Kuratoriums Deutsche Altershilfe nennt Oswald einige einfache Beispiele: Täglich die Zeitung nehmen und in einem Artikel immer zwei Buchstaben (z.B. "a" und "n") so schnell wie möglich anstreichen, am besten jeden Tag ein bisschen schneller. Eine andere Möglichkeit ist, nach der Zeitungslektüre so viele Details wie möglich aufzuschreiben, an die man sich gerade noch erinnern kann.

Diese Übungen erscheinen zunächst sehr einfach, der vorbeugende Effekt ist laut Oswald aber durch neue epidemiologische Studien aus den USA gestützt.

Auch für den Leiter der "Memory Clinic" in der Asklepios-Klinik Hamburg-Harburg, Markus Preiter, ist Aktivität das beste Rezept für geistige Fitness - vorausgesetzt allerdings, der Patient ist nicht schon an Alzheimer erkrankt. "Leider gibt es keine überzeugende Vorbeugungsstrategien vor der Krankheit - weder medikamentös noch durch spezielle Trainingsprogramme", sagt Preiter und relativiert damit die Einschätzung des Psychologen Wolf D. Oswald.

Preiter, der auch stellvertretender Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit in der Harburger Asklepios-Klinik ist, weist daraufhin hin, dass das Gehirn nicht einfach wie ein Muskel trainiert werden könne. Wertvoller als ausgeprägtes Gedächtnistraining ist für ihn, dass Ältere den Kontakt zu anderen nicht abreißen lassen. "Das Anregendste für Menschen ist der andere Mensch. Unser Gehirn ist ein Beziehungsorgan, und der Kontakt mit anderen regt uns an und hält uns geistig fit."

Auch für die mehr als 10 000 Seniorenpflegeheime in Deutschland gehört die Erhaltung der geistigen Fitness der Patienten zur täglichen Herausforderung. "Dabei spielt schon die Lage der Häuser eine Rolle", sagt etwa Nadine Behrendt, Leiterin des Pflegeheims Waldstraße der DANA Senioreneinrichtungen GmbH in Hannover, die über fast 1600 Pflegeheimplätze verfügt. "Wichtig ist, dass die Senioren aktiv am Geschehen teilnehmen können", ist auch ihre Erfahrung. "Dazu gehören günstige Verkehrsanbindungen und Einkaufsmöglichkeiten genauso wie nahe gelegene Parkanlagen."

Wichtig ist, dass die Senioren aktiv am Geschehen teilnehmen können

Nadine Behrend, Pflegeheim-Leiterin