Austauschjahr

Viel Schnee, keine Heizung, aber nette Menschen

Ich bin am kältesten Tag, den es je in Wellington gab, angekommen! Es hat geschneit und der Schnee ist liegen geblieben - darauf sind die hier nicht eingestellt, manche Straßen sind gesperrt. 43 Stunden war ich insgesamt unterwegs.

Am Flughafen stand direkt jemand von der Austauschorganisation Study Nelson mit einem Schild und meine Gastmutter Sharon und mein Gastbruder Josh haben mich begrüßt. Zuhause in Berlin sind wir ja nur zu dritt, da hatte ich ein bisschen Bedenken, dass es mir vielleicht zu viel werden könnte. Aber ich verstehe mich supergut mit Josh und bin total zufrieden mit meiner Gastfamilie.

Was ich nicht wusste: Es gibt hier keine Zentralheizung! Nur das Wohnzimmer ist warm, in meinem Zimmer sind morgens, wenn ich den Vorhang aufziehe, die Scheiben vor Kälte beschlagen. Abends krieche ich schnell unter meine elektrisch beheizte Bettdecke. Was noch krass ist: Hier läuft ständig der Fernseher. Morgens um sieben, wenn ich aufstehe, ist er schon an, und wenn ich von der Schule komme auch.

In Neuseeland gelandet bin ich am Sonntagmittag, ich habe dann versucht, bis abends wach zu bleiben. Ich glaube aber, ich bin immer noch im Jetlag. Abends bin ich immer total müde. Vielleicht liegt das aber auch an der frischen Luft... Am Montag ging direkt die Einführungswoche für uns Austauschschüler los: Morgens Englischunterricht, nachmittags Sightseeing. Um neun Uhr mussten wir in Wellington sein, das ist vom Haus meiner Gastfamilie 40 Minuten mit dem Zug entfernt. Ich bin mit Hannah und Lukas gefahren, zwei deutschen Austauschschülern, die wie ich in Upper Hutt wohnen. Wellington ist cool, nicht so groß, das gefällt mir.

Donnerstagabend bin ich mit meiner Gastfamilie nach Masterton gefahren, das liegt auf der anderen Seite der Hügel. Meine Gastmutter musste dort arbeiten und hat Josh und mich mitgenommen. Wir haben bei Freunden übernachtet, waren mit deren Sohn im Schwimmbad und Freitagabend Essen. Überhaupt ist es hier anders, was die Familie zusammen macht. Beim Essen sitzen wir nicht unbedingt am Tisch, aber dafür spülen wir dann gemeinsam ab.

Willkommenszeremonie der Maori

Am Montag war mein erster richtiger Schultag. Ich musste, wie alle ausländischen Schüler, einen Englischtest machen und dann wurde geschaut, ob das mit meinen gewählten Fächern so hinhaut. Ich komme mit dem Englisch echt gut zurecht, aber die Lehrerin der Cooking-Class, die ich belegen wollte, will keine Austauschschüler. Dabei kennt die mich gar nicht! Das ist besonders doof, weil ich das Fach mit Sophie zusammen hätte - meiner neuseeländischen "Schul-Patin". Sie ist auch 16, hatte schon mal eine deutsche Gastschwester und sie heißt wie meine beste Freundin zu Hause! Sie hat mir alles gezeigt: den verschneiten Schulhof, die nach Themen angeordneten Klassenzimmer, die Caféteria, die Bücherei und das Marae, ein Versammlungshaus der Maori, der Ureinwohner. Zu einer Lehrerin, der wir begegnet sind, hat Sophie im Spaß gesagt, ihr Unterricht sei ganz fürchterlich, und die Lehrerin meinte, sie sei eine der schlimmsten Schüler. Total cool, in Deutschland dürfen wir so was nicht ...

Heimweh hab ich gar nicht. Naja, wenn ich Emails von zu Hause lese ein bisschen. Aber ich vermisse das deutsche Brot! Dafür hab ich neulich mein erstes Rugbyspiel gesehen: Neuseeland gegen Südafrika. Morgen gibt's in der Schule eine Willkommenszeremonie der Maori. In der Vorbereitungswoche haben wir unseren Part darin gelernt. Ich hab nur Angst, dass ich lachen muss, beim Hongi müssen wir nämlich die Nasen aneinander pressen.

In unregelmäßiger Folge schreibt hier die Marlene Niemann (16) über ihre Zeit als Austauschschülerin in Neuseeland.