Adoptierte im Erwachsenenalter

Die Suche nach den eigenen Wurzeln

Adoptierte Erwachsene wissen oft nichts über ihre leiblichen Eltern, entwickeln aber das dringende Bedürfnis, sie kennenzulernen. "Irgendwann mit 21 oder 22 Jahren habe ich erfahren, dass ich ein Adoptivkind bin. Ich wollte danach einfach erfahren, woher ich komme und warum ich so bin".

Franziska Walter ist heute 30 Jahre alt und hat sowohl Kontakt zu ihren Adoptiveltern als auch zu ihren leiblichen Eltern. Die Bankangestellte ist eine von vielen Adoptierten in Deutschland, die sich auf die Suche nach ihren Herkunftsfamilien machen.

Nach Angaben der Caritas Münster steigt die Zahl der Adoptierten, die als Erwachsene nach ihren familiären Wurzeln suchen. Auch Angela Christians vom Verein Adoptierte im Rheinland glaubt, dass es "von Jahr zu Jahr mehr" Adoptierte werden, die ihre Geschichte ergründen wollen. "Das ist wichtig, um den eigenen Lebensweg aufzuschlüsseln", sagt sie. Den Hauptgrund für die Zunahme sieht Angela Christians in den Möglichkeiten und Chancen des Internets. "Das Internet ist ja erst mal ziemlich anonym. Für erste Informationen ist das wichtig. Da ist auch die Hemmschwelle sich zu öffnen niedriger", glaubt sie. Bei manchen Adoptierten dauere es nur wenige Wochen, bei anderen Jahre, bis sie die leiblichen Eltern finden. Christians selbst fand nach sechs Monaten ihre leiblichen Eltern. Deutschlandweit aktiv ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Adoptierter (Bargea), die als Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen und einzelnen Betroffenen agiert. Nach ihren Angaben gibt es in Deutschland etwa 530 000 adoptierte Personen. Die Arbeitsgemeinschaft fordert ein Recht des Menschen darauf zu erfahren, woher er kommt. 1989 hatte das Bundesverfassungsgericht das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung festgelegt.

Die Kontaktaufnahme zur Herkunftsfamilie stellt eigentlich für jeden Adoptierten "emotional eine hohe Hürde" dar, sagt Angela Christians. Und das gilt nicht nur für die Adoptierten, sondern auch für Adoptiv- und Herkunftsfamilie. In ihrem Fall hätten beide Familien betont, sie wollten keinen Kontakt untereinander haben. Das müsse man akzeptieren. Im Fall einer Adoptionsvermittlung habe es schließlich eine "schwierige Lebenssituation in der Herkunftsfamilie" gegeben. Zudem müsse man als Adoptierter wissen, dass man in der leiblichen Familie "als Schatten auch immer weiter mitlaufe".

Allerdings treffen bei der Herkunftssuche verschiedene Interessen aufeinander und im Konflikt zwischen Suche und Datenschutz könne das Recht auf Kenntnis nicht immer vorrangig sein. So gehören etwa Fragen nach dem Wohnort möglicher Geschwister oder dem jetzigen Wohnsitz der leiblichen Eltern nicht zum Kenntnisrecht der Suchenden, erklärt ein Sprecher der Bargea. Nach Erkenntnissen der Organisation suchen deutschlandweit rund 25 Prozent der Adoptierten nach ihren Wurzeln. Der überwiegende Anteil der Suchenden sei weiblich.

"Wenn die Adoptierten es wünschen, erhalten sie Unterstützung bei der Suche nach leiblichen Verwandten", sagt Gesine Wischerhoff vom evangelischen Verband für Adoptions- und Pflegekindfamilien. Vielfach ist es nach Angaben von Beratungsstellen allerdings so, dass Adoptierte dann, wenn sie einige Einzelheiten über die Herkunftsfamilie erfahren haben, doch wieder von einer Kontaktaufnahme Abstand nehmen.

Mehr im Internet unter www.bargea.de

"Die Suche nach den Wurzeln ist wichtig, um den eigenen Lebensweg aufzuschlüsseln"

Angela Christians, Verein Adoptierte