Mamas & Papas

Urlaub an der Ostsee - ohne Friesennerz

Mein Mann ist weg, abgereist mit den Kindern. Zu seiner Mutter. Klingt nach Ehedrama? Nein, im Gegenteil: Er kümmert sich in den nächsten Tagen hauptverantwortlich um die Kleinen, damit ich in Ruhe arbeiten kann. Dafür hat er sich sogar Urlaub genommen.

Und weil er gerade dabei war zu planen, hat er einen Kurzurlaub bei der Oma miteingeplant. Geschickt, der Mann.

Gestern Morgen habe ich alle drei zum Bahnhof gefahren. Dort fiel meinem Mann auf, dass ein Schokofleck die Hose unseres Sohnes verunstaltete. Und unsere Tochter ihr vergammeltes, geliebtes Fußball-T-Shirt trug. Kein Schwiegermutter-Outfit. Vorwurfsvoll schaute mich der Gatte an, aber hey, nicht so schlimm. Die Kinder sehen glücklich und braungebrannt aus, das überstrahlt alles. Wir waren nämlich im Urlaub.

Urlaub an der Ostsee ist ja so eine Sache. Je näher unser Abfahrtstermin rückte, desto schlechter wurde meine Laune. "Alle fliegen in den Süden, nur wir fahren an die Ostsee", maulte ich fünf Tage vor der Abreise. "Das Meer ist kalt, das Wetter wird bestimmt furchtbar und das Essen da oben ist auch schrecklich", am nächsten Tag. "Ich will nach Italien!", motzte ich an Tag drei vor der Abfahrt. Da platzte meinem Mann der Kragen. "Wenn ich mir jetzt im Urlaub zwei Wochen Gemoser anhören muss, dann können wir auch gleich zu Hause bleiben." Danach schwieg ich. Wir fuhren.

Auf dem Weg nach Mecklenburg regnete es. Es gab nur eine einzige Raststätte an der Autobahn. Wir bestellten Currywurst mit schlaffen Pommes, setzten uns in die überfüllte Trucker-Lounge und kauten lustlos, während die Kinder wie hypnotisiert RTL2 in der Raststätten-Glotze schauten. Die Situation schrie nach einem Kommentar. "Kein Wort", warnte mich mein Mann.

Später, auf der Autofähre nach Rügen, trafen wir einen Berliner Bekannten, dessen Frau von der Insel stammt. Er erzählte, er fahre mit seiner Familie auf Blitzbesuch zur Schwiegermutter. Danach ginge es für zwei Wochen weiter nach Dänemark. Ha, dachte ich, Dänemark - manche haben einen noch schlimmeren Urlaub vor sich als wir. Der Bekannte blinzelte in den Regen und meinte, das Gute sei, hier oben am Meer könne das Wetter jederzeit umschlagen. Ostsee-Propaganda, murmelte ich. Ich sah uns schon zwei Wochen in Friesennerzen und Gummistiefeln. Mein Mann legte den Zeigefinger an die Lippen. Psschhhh.

Was ich soll ich sagen: Der Fährenberliner hatte Recht. Das Wetter schlug um. Selten regnete es, meistens schien die Sonne. Wir lagen im Strandkorb, bräunten uns, bauten Sandburgen. Zwei von vier Familienmitgliedern gingen sogar ins Meer. Allerdings behauptet nur unsere Tochter, die Ostsee sei warm gewesen. Sollten Sie also gerade in der Ferienwohnung sitzen und in den Regen hinausschauen: Nur Mut! Das wird schon.

Nächste Woche schreibt an dieser Stelle wieder Hajo Schumacher