Sprechstunde

Was soll ich tun, wenn mein Kind eine Batterie verschluckt?

Birgit P. aus Friedrichshain fragt: Mein Sohn (3) spielt gern mit der Fernbedienung unseres Fernsehers. Ich habe Angst, dass er mal die Batterie verschlucken könnte. Was muss ich tun, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte?

Ein Fremdkörper kann entweder in die Luftröhre (Aspiration) oder in die Speiseröhre (Ingestion) gelangen. Sowohl bei dem Verdacht auf eine Aspiration als auch bei dem Verdacht auf eine Ingestion eines Fremdkörpers muss eine ärztliche Untersuchung erfolgen, am besten in einer Kinderklinik mit der Möglichkeit zur Speiseröhren- und Magenspiegelung.

Gelangt ein Fremdkörper in die Luftröhre, kommt es zu heftigem Hustenreiz. Bleibt der aus, ist davon auszugehen, dass sich der Fremdkörper in der Speiseröhre befindet. Als Symptome können Würgen, Schluckstörungen, Speichelfluss, Schmerzen hinter dem Brustbein oder Atemnot auftreten. Fünf bis 15 Prozent der Kinder sind aber beschwerdefrei! Außer Batterien werden häufig Münzen, Spielzeugteile, Nadeln und Nägel, Teile von Zahnspangen, Gräten oder Glassplitter verschluckt. Auch größere Stücke fester Nahrung (Fleisch, festes Gemüse) können in der Speiseröhre stecken bleiben und zu den oben genannten Beschwerden führen.

In der Speiseröhre gibt es drei natürliche Engen, an denen Fremdkörper bevorzugt stecken bleiben: in Höhe des Kehlkopfes (der zur Luftröhre gehört), in Höhe der Aufzweigung der Luftröhre in die großen Hauptbronchien und vor dem Magen. Die Verletzungen der Speiseröhre durch feste Fremdköper entstehen meist durch eine druckbedingte Durchblutungsstörung der Schleimhaut, seltener durch eine Schnittverletzung bei scharfkantigen Fremdkörpern. Zur Darstellung des Fremdkörpers wird eine Röntgenaufnahme angefertigt, auf der die gesamte Speiseröhre und der Magen erkennbar sein müssen. Fremdkörper, die nicht röntgendicht sind, können indirekt durch Kontrastmittel sichtbar gemacht werden. Metallhaltige Fremdkörper können auch mit einem Metalldetektor aufgespürt werden, wobei zur genauen Lagebestimmung häufig auch ein Röntgenbild angefertigt werden muss.

In Abhängigkeit von der Lage, der Art und der Größe des Fremdkörpers muss eine Spiegelung der Speiseröhre zur Entfernung des Fremdkörpers und zur Untersuchung der Schleimhaut durchgeführt werden.

Liegt die Batterie in der Speiseröhre, muss sie in jedem Fall entfernt werden. Dies erfolgt mit einer Greifzange oder einem Körbchen. Auch andere Fremdkörper müssen aus der Speiseröhre entfernt werden. Vorsicht ist geboten bei spitzen, scharfkantigen Fremdkörpern, die gelegentlich zunächst in den Magen vorgeschoben werden müssen (z.B. offene Sicherheitsnadel).

Ist der Fremdkörper schon im Magen angekommen, bedarf es meist keiner weiteren Intervention. Nadeln, Nägel und Fremdköper mit einem Durchmesser bis zu zwei Zentimeter und einer Länge bis fünf Zentimeter passieren den Magen problemlos. Im Stuhlgang sollte das Ausscheiden des Fremdkörpers in den folgenden Tagen überprüft werden.

Batterien und andere Metalle können im sauren Milieu des Magens korrodiert werden. Aus Batterien können dann ätzende Substanzen freigesetzt werden. Dies geschieht aber wesentlich seltener als befürchtet. Nur wenn Batterien länger als 48 Stunden im Magen verbleiben, sollten sie mittels einer Magenspiegelung entfernt werden.

Arpad von Moers ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin