Ratgeber

Starke Eltern erziehen starke Kinder

Ein Mädchen kommt wütend nach Hause und tritt heftig gegen die Tür. Oder: Die 16-jährige Tochter kommt um zwei Uhr nachts nach Hause. Sie warten vollkommen nervös in der Küche. Wie sollen Eltern in diesen Situationen reagieren?

Schimpfen wäre ganz verkehrt, so viel haben die Zuhörer im Elternkurs heute schon gelernt. Stattdessen sollen sie ein "positives Feedback" geben, sagt Dozentin Alexandra Fresenborg: mit einem positiven Einleitungssatz anfangen und dann über die eigenen Gefühle sprechen. Etwas ratlos sitzen ihre Zuhörer vor den Zetteln: "Toll, dass du so viel Kraft im Fuß hast", schlägt eine Mutter als Reaktion auf den Tritt gegen die Tür vor und muss selbst lachen. "Super, so weiß ich gleich, dass du jetzt zu Hause bist", sagt eine andere. Dann einigen sie sich auf den Satz: "Ich freue mich, dass du da bist."

Liebe, Annahme, Vertrauen

"Das Ziel ist eine sachliche Auseinandersetzung und die gibt es nicht, wenn Ihr Kind schon in die Verteidigungshaltung geht", sagt Alexandra Fresenborg. Mit einem freundlichen Satz signalisieren die Eltern: Egal was du anstellst, du verlierst meine Liebe nicht. "Liebe, Annahme, Vertrauen", das sind die zentralen Begriffe des Elternkurses "Starke Eltern - starke Kinder". Zum fünften Mal hat sich die Gruppe im brandenburgischen Caputh versammelt, um sich Rat bei der Diplom-Psychologin zu holen, zehn mal zwei Stunden umfasst der Kurs.

Zum "Handwerkskasten", mit dem sie die Eltern am Ende des Kurses ins Erziehungsleben entlassen möchte, gehört auch, Grenzen zu setzen. Aber auch mit positivem Feedback könne man schon viel verändern. Und ändern muss sich etwas, das wird immer wieder deutlich, wenn die Teilnehmer ihren Alltag schildern. Ihre Tochter sei morgens immer so langsam, erzählt eine der Mütter. Mit "früher aufstehen", wie ein Vater rät, sei es nicht getan: Dann trödele das Mädchen einfach noch ein bisschen mehr. Bei den anderen Kursteilnehmern ist immer wieder die Schule ein Thema: "Wie kann ich mein Kind dazu bringen, sich in der Schule mehr anzustrengen?", fragt eine der Mütter, deren Sohn "immer nur das Nötigste" macht - und die überrascht ist, als Alexandra Fresenborg ihr rät, den Achtjährigen einfach mal allein ein Mittagessen kochen zu lassen. "Was die Kinder in der Familie lernen, wenden sie auch in anderen Lebensbereichen an", erläutert sie.

Mit einer maßgeschneiderten Lösung gehen die Eltern nicht aus dem Kurs - das ist nicht das Ziel. Das vor mehr als 25 Jahren für den Deutschen Kinderschutzbund entwickelte Konzept setzt darauf, dass die ganze Familie Probleme gemeinsam löst. Weder die Eltern noch die Kinder allein bestimmen die Regeln in der Familie. Einen "anleitenden Erziehungsstil" sollen die Eltern lernen und ihrem Kind damit helfen, Verantwortung zu übernehmen. "Der anleitende Erziehungsstil ist weder autoritär noch antiautoritär", sagt Paula Honkanen-Schoberth, die "Starke Eltern - starke Kinder" mitentwickelte. "Eltern erfahren im Kurs, wie sie ihre Erziehungsfunktion und Verantwortung übernehmen können und wie sie positive elterliche Autorität ausüben dürfen und sollen, ohne auf körperliche Bestrafungen, auf seelische Verletzungen oder sonstige entwürdigende Erziehungsmaßnahmen zurückgreifen zu müssen." Dazu gehört, dass Eltern über ihre eigenen Vorstellungen und Werte nachdenken. Das ist unbequemer als einfach festzulegen: Höchstens einmal am Tag Süßigkeiten, täglich 15 Minuten Klavier üben, abends um Acht Licht aus. Aber dafür lernen Eltern sich hier vielleicht selbst ein bisschen besser kennen. Und finden gemeinsam mit ihrem Kind Lösungen, mit denen alle gut leben können. Davon profitierten Kinder ein Leben lang, ist Alexandra Fresenborg überzeugt: "Was soll einem Menschen noch passieren, der als Kind gelernt hat, Probleme aktiv anzugehen?" Auf dem Weg dahin sollen die Eltern Schritt für Schritt weiterkommen. Hausaufgabe diesmal: das positive Feedback üben. Das, so viel verrät Alexandra Fresenborg vorab, wird auch für die Kinder ungewohnt sein. "Es kann durchaus passieren, dass die Sie fragen 'Mama, bist du krank?'" So überrascht sind Kinder, wenn ihre Eltern plötzlich loben statt zu schimpfen.

Den Kurs "Starke Eltern - starke Kinder" bieten in Berlin und im Umland verschiedene Einrichtungen an. Infos zu Terminen und Kosten beim Deutschen Kinderschutzbund Berlin: www.kinderschutzbund-berlin.de