Tag der kleinen Baumeister

Traumberuf Bauarbeiter

In Windeseile haben die kleinen Baumeister ihre Arbeitshandschuhe angezogen und sich in Reih und Glied aufgestellt. Nun warten sie aufgeregt auf ihren Einsatz im Minibagger. Aber das Warten fällt den acht Mädchen und Jungen nicht schwer.

Mit ihren Blicken verfolgen sie Hamid (5), der in der Sandkiste direkt vor ihrer Nase den Rüttler schiebt. Gegen den Höllenlärm hat er sich riesige blaue Ohrenschützer aufgesetzt, die fast so groß sind wie sein Kopf. Stolz zeigt er, was er gerade gelernt hat: wie man eine Sandfläche so glatt macht, dass nachher darauf Steinplatten verlegt werden können. Eine verantwortungsvolle Aufgabe: Im Hintergrund verlegen die Steinsetzer bereits Gehwegplatten. Baustellenarbeit ist Teamarbeit. Das haben die Besucher des zweiten "Tags der kleinen Baumeister" der Gewobag schnell begriffen.

Auf der Kinderbaustelle in Kreuzberg wuseln lauter kleine gelbe Helme von Station zu Station. Heute wird schwer gearbeitet im Nachbarschaftspark Wassertorstraße/Ecke Gitschiner Straße - natürlich nur im Spiel. Verschiedene Handwerksbetriebe haben Miniatur-Baustellen aufgebaut. Der Bagger und der Rüttler sind im Dauerbetrieb, in der Tischlerwerkstatt wird geschliffen und gehobelt, was das Zeug hält. Und bei der Abteilung Sanitärbau werden pausenlos verstopfte Rohre freigespült. Auf dem großen Spielplatz können 170 Kinder zwischen vier und acht Jahren acht Berufe ausprobieren: unter anderem Maurer, Fliesenleger, Tischler, Maler, Drechsler. Geduldig erklären die Handwerker die Aufgaben und wie die notwendigen Geräte funktionieren. Am Ende gibt es eine Baumeister-Urkunde und Würstchen, Nudeln und Eis für die hungrigen Praktikanten.

Heute werden die klassischen Jungen-Berufe besonders gerne von Mädchen ausprobiert. Aida (6) und Darin (5) klettern heute schon zum dritten Mal aufs Dach, eine kleine, schräge Fläche mitten auf einer Wiese. Unter Anleitung machen sie alles dicht. "Die Ziegel muss man auf eine Holzleiste legen, damit sie nicht runterfallen", erklärt Aida. "Sie müssen an den Rändern übereinander sein, damit es nicht reinregnet." Sie findet die Berufsidee toll. "Dann ist man wenigstens ganz oft draußen. Und wir machen das mindestens genauso gut wie Jungs." Wie zum Beweis klettert sie wieder hinauf und legt den nächsten schwarzen Ziegel zurecht.

Nachhaltiger Eindruck

Eine Abteilung weiter probiert Mark (5) aus Buckow aus, wie man den Bagger bedient. Bereits im vergangenen Jahr hat er mitgemacht beim "Tag der kleinen Baumeister". "Das hat noch lange nachgewirkt bei ihm", erzählt sein Vater Ralf Kneller. "Vieles wurde mit dem Werkzeugkoffer zu Hause nachgespielt. Und dieses Mal hat er sich schon Tage vorher drauf gefreut."

Sein Sohn nimmt auf dem Schoß von Leopold Meißner Platz, der geduldig mit jedem Kind, das sich traut, eine Runde im Sand baggert. Der Baggerfahrer hat großen Spaß, den Kindern seinen Beruf zu präsentieren. "Ich weiß zwar nicht, woran es liegt, aber Baggerfahren ist für die meisten Kinder und auch Erwachsene eine faszinierende Sache." Der 58-Jährige findet es toll, dass die Kinder heute das ausprobieren können, wovon sogar viele Erwachsene noch träumen. "Am tollsten ist der schwarze Knopf", erklärt Mark anschließend und seine Augen leuchten. "Damit kann man den ganzen Bagger zur Seite drehen." Auch Mark findet den Beruf klasse. Er hat aber schon andere Vorstellungen. "Ich möchte, wenn ich mal groß bin, auch so eine Art Bauarbeiter werden, einer, der Schläuche repariert." Gemeint ist ein Sanitärmeister. Den hat er nämlich heute auch schon gespielt.

An der Sanitärstation macht vor allem die Rohrinspektionskamera Eindruck auf die Kinder. Vor dem Stamm einer großen Kastanie ist die Wand mit Waschbecken und Rohrsystemen aufgebaut. Daneben hängt ein Monitor, auf dem in Farbe zu sehen ist, wie die Leitungen von innen aussehen. Maurice (4) ruft aufgeregt: "Da ist Wasser! Ich kann es sehen! Es läuft!" Er und sein Freund Anton, ebenfalls vier Jahre alt, machen zwischendurch auch ein bisschen Quatsch und halten die Kamera wie ein Mikrofon, so dass ihre Zunge und Zähne auf dem Bildschirm zu sehen sind. Sanitärmeister Timo Fabianek (25) muss lachen.

Auch Florian (7) ist hochmotiviert. Seine Mutter Susanne Heyn weiß, warum. "Wir bauen gerade in Großziethen ein Haus. Der Rohbau steht schon, nächste Woche kommen die Dachdecker und irgendwann auch die Installateure." Florian guckt deshalb heute genau hin, wie Bauarbeiten funktionieren. Timo Fabianek freut sich, wie wissbegierig die Kinder sind und dass er Werbung für seinen Beruf machen kann. "Es ist heutzutage schwierig, gute Auszubildende zu finden, die den Beruf nicht nur lernen, weil ihnen nichts anderes einfällt", sagt er. "Es ist ein sauberer Beruf, aber viele denken, es hat mit Gestank und Dreck zu tun. Dass wir bei den Kindern eine positive Erinnerung hinterlassen, ist sehr hilfreich."