Ratgeber

Gehört die geschenkte Wohnung meines Freundes nun mir?

Ich lebe mit einem Mann zusammen in einer Eigentumswohnung, die ihm gehört. Wir sind nicht verheiratet, weil er noch nicht geschieden ist. Er ist schon lange pflegebedürftig und hat mir versprochen, mir für die Pflege die Wohnung zu schenken. Jetzt ist er in einem Pflegeheim und nicht mehr ansprechbar.

Es ist zu befürchten, dass Ihr Freund nicht mehr geschäftsfähig wird. Er kann Ihnen dann seine Wohnung nicht mehr selbst schenken. Sein Versprechen, Ihnen die Wohnung zu schenken, ist nicht verbindlich. Es wäre nur in einem notariell beurkundeten Vertrag wirksam. Möglicherweise können Sie das Geschenk aber aufgrund der Vollmacht nachholen. Zumeist umfassen Vorsorgevollmachten auch das Recht, den Vollmachtgeber in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten zu vertreten. Damit können Sie auch das Recht haben, sich selbst aus dem Vermögen Ihres Freundes etwas zu schenken. Allerdings kann sich dabei ein Problem ergeben, wenn die Unterschrift Ihres Freundes unter der Vollmacht nicht von einem Notar beglaubigt ist. Dann ist die Vollmacht zwar trotzdem wirksam. Das Grundbuchamt, das die Eigentumswohnung auf Sie umschreiben müsste, würde sie aber nicht anerkennen. Es ist zu empfehlen, dass Sie mit der Vollmacht einen Notar aufsuchen und sich beraten lassen.

Der Satz, den Ihr Freund in der Vorsorgevollmacht hinzugefügt hat und der die Eigentumswohnung betrifft, kann aber auch eine ganz andere Bedeutung haben. Er kann ein formgültiges Testament sein. Wichtig ist, dass der Satz von Ihrem Freund per Hand geschrieben ist und dass das Papier unterschrieben ist. Das Dokument kann dann gleichzeitig eine Vollmacht und ein Testament sein. Damit hat Ihnen Ihr Freund die Wohnung als Vermächtnis zugewandt. Anders als bei einem Geschenk ist dafür die notarielle Beurkundung nicht erforderlich. Sollte Ihr Freund sterben, reichen Sie das Testament beim Nachlassgericht ein.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Morgen beantwortet André Nogossek vom Landeselternausschuss Ihre Fragen. Wenn Sie eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de .