Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung

Deutsche Jugendämter nehmen Kinder häufiger aus Familien

Im vergangenen Jahr haben die Jugendämter in Deutschland 36 300 Kinder und Jugendliche zu deren Schutz kurzzeitig in Obhut genommen. Das waren etwa 2600 (acht Prozent) mehr als 2009, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Damit lag die Zahl der Inobhutnahmen im vergangenen Jahr um 42 Prozent höher als noch vor fünf Jahren. In Berlin ist entgegen dem Bundestrend im Vergleich zu 2009 ein leichter Rückgang zu verzeichnen: Wurden 2009 noch 1326 Minderjährige in Obhut genommen, waren es 2010 insgesamt 1241 Kinder und Jugendliche. 355 davon auf eigenen Wunsch.

Unter Inobhutnahme versteht man in der Jugendhilfe das kurzfristige Eingreifen der Ämter, um die Kinder bei akuter Gefahr etwa gegen Gewalt oder Missbrauch zu schützen. Die Behörden nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative von Polizei oder Erziehern in Obhut und bringen sie meist für Stunden oder Tage im Heim oder in einer Pflegefamilie unter. In vielen Fällen schließt sich an die Inobhutnahme eine Hilfe zur Erziehung an. Für 9700 Kinder und Jugendliche wurde nach Angaben des Bundesamts 2010 eine Erziehung außerhalb des Elternhauses, in einer Pflegefamilie oder in einem Heim, eingeleitet. In 4600 (13 Prozent) Fällen wurde eine stationäre Hilfe wie in einem Krankenhaus oder in der Psychiatrie veranlasst.

Besonders zugenommen hat die Zahl der Jugendlichen, die aufgrund einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland in Obhut genommen wurden. Sie stieg von 2008 bis 2010 von 1100 auf 2800, das sind 157 Prozent.