Ernährung

"Süßigkeiten sind kein Grundnahrungsmittel"

Morgens Schokomüsli, mittags Pfannkuchen und zwischendurch Limo: Wenn Kinder über ihren Speiseplan selbst entscheiden könnten, sähe der vermutlich sehr zuckrig aus. "Es liegt aber in der Verantwortung der Eltern, dass ihre Kinder Süßes nur in Maßen konsumieren", sagt Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin aus Freiburg.

Auch wenn der Trend zum Übergewicht bei Kindern langsam stagniert, bleiben die Ergebnisse des vom Robert-Koch-Institut geleiteten Jugendgesundheitssurveys "KiGGs" alarmierend: In Deutschland gelten etwa 15 Prozent aller Kinder im Alter zwischen drei und 17 Jahren als übergewichtig. Zu fettes Essen, viele Fertigprodukte und zu wenig Bewegung sind die Ursachen. "Viele übergewichtige Kinder essen aber auch einfach viel zu viel Süßes zwischendurch oder trinken ständig gezuckerte Säfte und Limonaden", sagt von Cramm.

Die Ernährungsexpertin weiß aus ihrem eigenen Alltag als Mutter von drei Kindern, wie wichtig eine bewusste Ernährungserziehung ist: "Man sollte schon ganz früh damit beginnen, Kinder an eine vielseitige, natürliche Ernährung heranzuführen." Denn der Körper gewöhne sich schnell an das Süßgefühl und verlange immer mehr. Schon bei Babys und Kleinkindern sei es deshalb ratsam, auf gezuckerte Produkte zu verzichten. Denn die Verführung ist groß: Eine Tafel Schokolade gibt es schon für 40 Cent, die Tüte Weingummi für wenig mehr. Süßigkeiten sind heute so billig wie noch nie zuvor. "Das sollte sie aber nicht zu einem Grundnahrungsmittel machen", sagt Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. "Süßigkeiten sollten aber ein Genuss- und kein Lebensmittel sein", betont Dagmar von Cramm. Sie rät Eltern, Süßes nur zu einem bestimmten Anlass zu kaufen, beispielsweise Schokolade für einen Geburtstag oder die Tüte Chips für den Familienabend.

Sogar mit vermeintlich gesunden Lebensmitteln nehmen Kinder schon viel Zucker auf. Ob Fruchtjoghurts, Obstquark, Ketchup oder Müsli-Mix: "In vielen Produkten ist eine ganze Menge Zucker enthalten, ohne dass Eltern sich dessen bewusst sind", sagt Engel. Wichtig sei, als Eltern ein gutes Vorbild zu sein: "Eltern sollten natürlich nicht ständig naschen, wenn sie wollen, dass die Kinder verzichten." Von einer Süßigkeitenschublade, wie sie in vielen Haushalten üblich ist, raten beide Experten ab: Kinder sollten besser keinen direkten und eigenständigen Zugriff auf die Süßigkeiten bekommen. Stattdessen sollten Eltern die Süßigkeiten so lagern, dass der Nachwuchs nicht darüber stolpert.

Kinder lieben Süßigkeiten, das wird sich wohl nie ändern. "Muss es ja auch nicht", sagt von Cramm. "Die Menge macht es eben." Die Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt eine klare Lebensmittelpolitik in der Familie: "Süßigkeiten müssen etwas Besonderes und damit Seltenes sein." Das heißt: Nicht jeden Nachmittag Kuchen, sondern nur am Sonntag. Und nicht jeden Abend Kekse oder Chips, sondern nur am langen Familienkinoabend.

Was auf dem eigenen Tisch landet, können Eltern steuern. Was passiert, wenn die Kinder bei Freunden oder den Großeltern sind, kaum. "Es ist okay, wenn Kinder woanders mehr Süßes bekommen", sagt von Cramm. "Das ist dann eben eine Ausnahmesituation."

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