Engagement

Bundesfamilienministerium setzt auf Gestaltungskraft der Senioren

Das Bundesfamilienministerium möchte mehr Senioren für gesellschaftliches Engagement gewinnen. Älteren Menschen sollten heute neue Wege für Selbst- und Mitverantwortung in der Zivilgesellschaft auch über Familiengrenzen hinaus geebnet werden, sagte Ministerialdirektor Dieter Hackler am Montagabend auf einer Tagung in Bonn.

"In einer Gesellschaft des langen Lebens stecken enorme Kräfte: die Zeit und die Bereitschaft gerade der Älteren, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren." Dank der zunehmend guten Gesundheit rücke bei den Älteren die aktive Gestaltung der geschenkten Lebensjahre in den Fokus, so der Leiter der Abteilung "Ältere Menschen" im Bundesministerium. Dieses selbst organisierte Engagement sei vor dem Hindergrund des demografischen Wandels notwendig.

Willige Freiwillige dürften dabei aber nicht mit ihren Ideen alleingelassen werden. Kommunen müssten sich hier mit Wohlfahrtsverbänden und Kirchen vernetzen, um die Organisation zu übernehmen. Es gebe bundesweit positive Beispiele, bei denen gerade von aktiven älteren Menschen angeschobene Initiativen gemeinsam mit Kommunen und Verbänden identitätsstiftende Projekte echter Begegnungszentren auf die Beine gestellt hätten. Der Neubau herkömmlicher Altenheime sei damit vermieden worden. Das Familienministerium schaffe Rahmenbedingungen, mit denen mehr Menschen für das bürgerschaftliche Engagement gewonnen werden könnten, so Hackler. Als vorbildlich bezeichnete er das bundesweite Aktionsprogramm "Mehrgenerationenhäuser". Sein Haus unterstütze zudem den "Freiwilligendienst aller Generationen".

Auf die Gefahr, dass die Kirchen in Zukunft nicht mehr im bisherigen Maße auf das freiwillige Engagement der älteren Generation bauen können, verwies der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Gerhard Wegner. Es sei durch wissenschaftliche Studien vorauszusehen, dass sich das Level von Kirchlichkeit und Religiosität bei den Älteren senken werde. "Wenn man so will, sind dann die weltlichen Verheißungen der Moderne endlich auch bei den Alten angekommen", so Wegner. Die Kirche müsse sich mit dieser neuen Situation auseinandersetzen.