KinderOnlinePreis

Ausgezeichnetes Portal von Kindern für Kinder

Die zehnjährige Johanna interessiert sich für Nachrichten. Deshalb sorgt sie dafür, dass auch andere Kinder verstehen, was in Fukushima passiert ist und warum Ehec gefährlich ist. Marlene kocht gern und veröffentlicht schöne Rezepte, Kyra hat es eher mit Tiergeschichten - sie hat den Stachelrochen untersucht - und Nima sammelt Witze, damit es nie langweilig wird.

Gut, dass die Fünftklässler der Lichtenrader Bruno-H-Bürgel-Grundschule eine eigene Website haben, auf der sie das alles loswerden können:

Auf "Palk@n - Das Schülermagazin für pfiffige Schüler" ( www.palkan.de ) können sie sich mitteilen und ihr Wissen über Schulfächer vertiefen. Sie können zeigen, was für tolle Referate sie gehalten haben, chatten, mailen oder im Palkan-Wiki mitarbeiten. Stolz sein dürfen sie auch noch: Weil ihr Online-Schülermagazin so vielseitig, informativ und schön gestaltet ist und außerdem auch noch einen sicheren Raum im Internet bietet, haben die jungen Macher und ihr Lehrer Michael Ringert jetzt den Europäischen KinderOnlinePreis gewonnen.

Bei dem Wettbewerb, der erstmals vom Netzwerk Insafe und dem Safer-Internet Programm der Europäischen Kommission initiiert wurde, hatten länderübergreifend Anbieter von Onlineseiten für Kinder von sechs bis zwölf Jahren teilgenommen. Der deutsche Vorentscheid wurde von der EU-Initiative klicksafe, klick-tipps.net und fragfinn.de organisiert. Schon dort hatte sich palkan.de gegen 94 andere Bewerber durchgesetzt. 14 nationale Sieger kamen in die Endrunde, wo die Berliner wieder das Rennen machten.

Johanna und Kyra durften mit Michael Ringert nach Brüssel fahren, wo EU-Kommissarin Neelie Kroes ihnen in einer großen Zeremonie die Trophäe überreichte. "Wir waren die einzigen Kinder dort", erzählt Johanna. "Das war alles unbeschreiblich aufregend." Johanna und Kyra durften die Klasse vertreten, weil sie auf palkan.de besonders aktiv sind. Gestaltet und gefüllt wird das Online-Magazin aber auch von ihren Mitschülern sowie Kindern aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Denn was 2003 einmal als Klassenwebsite für Projekte und Klassenfahrten angefangen hat, ist längst ein überregionales Magazin geworden.

Der "Erfinder" der Website, Michael Ringert, ist Lehrer für Deutsch, Geschichte, Geografie und Sport an der Lichtenrader Grundschule. Er investiert viel Zeit in sein Projekt, das er auch aus eigener Tasche finanziert, wie er sagt. Alles was freigeschaltet ist, wird von ihm zuvor gecheckt. So behält der 42-Jährige als Chefredakteur, Korrektor und Chat-Moderator die Fäden in der Hand. Er passt auf, dass alles stimmt und dass nicht abgeschrieben wird. Welche Themen auf die Seite kommen und wie sie gestaltet werden, bestimmen jedoch die Kinder. "Es gibt viele Kinderseiten, die von Erwachsenen gemacht werden", sagt Ringert, "aber wo ich hier an der Quelle sitze, kann man es ja anders machen. Bei palkan.de bringen sich die Kinder ein und schreiben die meisten Beiträge selbst." Darauf sind die Palkaner stolz - "Ich finde das besonders toll", sagt Brenda (11). "Viele wissen gar nicht, dass auf dieser Seite die Kinder schreiben." Die Themen werden zum Teil im Unterricht generiert und dann im PC-Kurs, der zweimal pro Woche stattfindet, umgesetzt. "Am Anfang sah der Auftritt noch ziemlich schlicht aus", sagt Ringert. Durch die kontinuierliche Arbeit mit den Viert- bis Sechstklässlern an der Schule hätte sich die Seite dann weiterentwickelt. "Die Kinder kamen immer wieder mit neuen Ideen zu Gestaltung und Themen." So ist inzwischen ein komplexer Auftritt entstanden, der neben Schulwissen, Präsentationen und Referaten auch aktuelle Nachrichten, Witze, Promigeschichten, Chats und einen Wetterbericht bietet.

Neben dem europäischen Preis erhält palkan.de auch eine nationale Auszeichnung: Am Dienstag soll ihr der Erfurter Netcode verliehen werden. "Das ist der renommierteste Preis für sichere Internetauftritte", sagt Ringert. Den können er und die Kinder aber nicht persönlich abholen, denn Dienstag ist Zeugnistag und ihr letzter gemeinsamer Schultag. Ab August wird Ringert an einer anderen Schule mit Siebtklässlern weiterarbeiten. Seine Grundschüler können palkan.de aber treu bleiben. "Wer Lust und Interesse macht, kann weiter mitmachen", sagt Ringert: "Denn einmal Palkaner, immer Palkaner". Schließlich ist man ja gut vernetzt.