Austauschschüler in Berlin

"Mein erstes deutsches Wort war lecker"

Klaus Gross-Galindo (18) aus Chile: "Gleich am zweiten Tag hier in Berlin habe ich einen Döner gegessen. Das hatten mir schon vorher viele Leute empfohlen. Seitdem gehe ich jede Woche mindestens einmal zu meinem liebsten Dönerladen. Ich finde, dort schmeckt es einfach lecker. 'Lecker' war übrigens auch das erste Wort, das ich hier gelernt habe. Meine Gastmutter verbessert mich immer und übt schwierige Wörter mit mir. 'Geschwindigkeit' mag ich auch sehr gern. Das klingt für mich wie ein typisches deutsches Wort.

Ich wollte ein Jahr im Ausland leben, um selbstständiger zu werden. Zu Hause in Chile hatte ich ja immer jemanden, der alles für mich organisiert hat. Weil meine Großmutter deutsche Adoptiveltern hatte, liebt unsere ganze Familie die deutsche Kultur. Immer wurde mir gesagt, dass Deutsche pünktlich und ordentlich sind, aber auch ein bisschen ungesprächig. Zu meiner Verwunderung stimmt das. Außerdem ist Deutsch nach Englisch und Spanisch die wichtigste Wirtschaftssprache. Später will ich im Bereich Marketing arbeiten. Dafür ist die Sprache ja sehr wichtig. Am liebsten würde ich gleich in Berlin bleiben und hier studieren. Es ist einfach eine aufregende große Stadt, in der man immer irgendetwas Interessantes machen kann. Es hat mich am Anfang sehr erstaunt, dass die Busse einen Fahrplan haben - und auch danach fahren.

Obwohl ich zu Hause in Chile viele Geschwister habe, gibt es in meiner Gastfamilie viel mehr Kontakt untereinander. Es ist immer jemand da, mit dem ich reden kann. Meine Familie unternimmt auch viel mit mir und zeigt mir Berlin. Im Winter waren wir sogar alle zusammen in Südtirol. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich auf Skiern gestanden. Am Ende des Urlaubs konnte ich sogar ganz allein den Berg hinunterfahren.

Was mir hier am meisten fehlt, ist gutes Fleisch. Es stimmt zwar, dass die Deutschen viel Wurst und Fleisch essen, aber das ist nicht so lecker wie argentinisches Fleisch. Die ersten Tage in der deutschen Schule und der neuen Kultur verliefen sehr ruhig für mich. Doch dann habe ich schnell Freunde gefunden. Jetzt unternehmen wir viel zusammen und gehen ins Kino oder ins Fitnessstudio.

Neulich hatte ich Geburtstag und habe zusammen mit einem deutschen Freund einen Club gemietet, um dort zu feiern. Es kamen über hundert Leute! Leider wurde es am Ende so laut, dass die Polizei die Party aufgelöst hat.

Schon jetzt hat mich die Zeit hier in Deutschland sehr verändert. Ich glaube, ich bin in den vergangenen Monaten tatsächlich selbstständiger und reifer geworden. Von meinem Abschied im Juli will ich noch gar nichts hören. Mir gefällt es so gut hier, dass ich gar nicht wieder nach Chile zurückfliegen möchte."