Austauschschüler in Berlin

"In Deutschland gibt es gutes Bier, und es ist oft kalt"

Vorameth Prasirtpun (17) aus Thailand: "Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich mir vorgenommen, über den Sport neue Freunde zu finden. Ich mag vor allem Basketball und spiele oft mit meinem Gastbruder auf einem Bolzplatz in der Nähe. In der ersten Woche nach meiner Ankunft haben wir dort Leute vom TSV Rudow getroffen. Seitdem gehe ich dreimal in der Woche im Verein zum Training. Meine Gastfamilie hat mir zu Weihnachten sogar ein Alba-Trikot geschenkt. Wir haben uns auch drei Spiele der Mannschaft angeschaut.

Vor meiner Ankunft dachte ich, dass es hier in Deutschland gutes Bier gibt und es ziemlich kalt ist. Nach einigen Monaten weiß ich: Das stimmt tatsächlich. Einige andere Dinge haben mich aber überrascht. Zum Beispiel, dass hier so wenige Menschen und Autos auf den Straßen sind und es kein Verkehrschaos wie in Bangkok gibt. Auch das U-Bahn-System finde ich sehr gut organisiert. Beim Einkaufen ist mir aufgefallen, dass man hier nie über den Preis verhandelt. In Thailand ist das sogar in den großen Einkaufszentren üblich. Auch, dass die Menschen hier so groß sind, hatte ich nicht erwartet. Manchmal vermisse ich das thailändische Essen. Die vielen Brotsorten und süße Gerichte wie Eierkuchen mit Apfelmus kannte ich vorher nicht.

Ich habe in Berlin sehr schnell Freunde gefunden. Auch weil ich mit meinem Gastbruder in dieselbe Klasse gehe. Mit seinen Freunden hören wir Musik, gehen einkaufen oder manchmal abends in eine Bar. Von ihnen habe ich auch Deutsch gelernt. Wir sprechen Englisch, wenn ich etwas nicht verstehe, aber nicht mehr so häufig wie am Anfang. Julian, einer meiner Freunde, ahmt immer meinen asiatischen Akzent nach. Das ist ziemlich witzig. Ich wollte nach Deutschland kommen, weil es ein wirtschaftlich wichtiges Land ist und ich die Sprache lernen möchte. Ich war überrascht, wie viele Leute schon in Thailand Urlaub gemacht haben. Meine Gastfamilie will mich nächstes Jahr vielleicht in Bangkok besuchen. Deshalb habe ich meinem Gastvater schon einen Reiseführer zum Geburtstag geschenkt.

Während meiner Zeit hier in Berlin bin ich auf jeden Fall erwachsener geworden. Das sagen auch meine Eltern, wenn ich mit ihnen telefoniere. Ich komme inzwischen auch viel pünktlicher zu Verabredungen. Die Gastfamilie und meine Freunde hier werde ich sehr vermissen, wenn ich wieder in Thailand bin."