Sprechstunde

Mein Sohn hat Rheuma. Kann eine Diät seine Leiden lindern?

Peter O. aus Friedrichshain fragt: Bei meinem sechsjährigen Sohn wurde kindliches Rheuma diagnostiziert. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass die Ernährung bei dieser Krankheit eine wichtige Rolle spielt. Muss ich jetzt auf eine spezielle Ernährung für meinen Sohn achten?

Leider wurden wenige wissenschaftliche Studien durchgeführt, welche die Rolle der Ernährung gerade bei diesen chronisch kranken Kindern genau untersuchen. Dennoch können einige generelle Hinweise aus den Ernährungswissenschaften übertragen werden. Sieht man sich den Entzündungsprozess im Gewebe, also im Gelenk dieser Kinder an, dann gibt es eine Vielzahl von entzündungsfördernden Hormonen und Botenstoffen, welche den Verlauf des Rheumas negativ beeinflussen. Es handelt sich dabei um Substanzen, welche im Immunsystem erzeugt werden. Bei Gewebsschädigung entstehen aus zugrundegehenden Zellen mehrfach ungesättigte Fettsäuren, etwa die Arachidonsäure, welche der Körper dann zu schmerzaktiven Substanzen, den sogenannten Prostaglandinen, umbaut. Die gleiche Grundsubstanz, die Arachidonsäure, ist besonders stark in tierischen Fetten vorhanden, das pflanzliche Pendant in Ölen wie Sonnenblumen- oder Distelöl. Die Arachidonsäure und die Linolsäure zählen zu den Omega-6-Fettsäuren aus der Gruppe der mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sie sind entzündungsfördernd und sollten daher in der Ernährung eher vermieden werden. Im Gegensatz dazu weisen Öle wie Sojaöl, Rapsöl, Leinöl entzündungshemmende sogenannte Omega-3-Fettsäuren auf, welche einen positiven Einfluss auf eine rheumatische Erkrankung haben können. Generell ist zu sagen, dass ungesättigte Fette und technische Fette, welche vor allem in Margarine, Streichcremes etc. enthalten sind, vermieden werden sollten. Das Herz-Kreislauf-Risiko würde sonst erhöht. Insgesamt ist auf ein normales Körpergewicht zu achten, da im Fettgewebe auch entzündungsfördernde Substanzen entstehen. Fette ganz wegzulassen ist nicht förderlich, insbesondere weil manche Vitamine wie das Vitamin E fettlöslich sind. Vitamin E fungiert als sogenannter Radikalfänger, es kann gewebszerstörende Substanzen, die im Entzündungsprozess entstehen, abfangen. Auch Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und von großer Bedeutung für den Aufbau des Knochens. Etwa ein Drittel aller Kinder mit kindlichem Rheuma weisen eine Knochenschwäche auf, so dass hier eventuell sogar Vitamin D in der Nahrung zugesetzt werden sollte. Dies wird sicherlich ein Thema in der Beratung mit Ihrem Spezialisten aus dem Rheumazentrum sein. Weitere gewebeschonende Vitamine sind vor allem im Obst vorhanden, hier ist das Vitamin C besonders herauszugreifen. Im Obst und Gemüse sind aber noch weitere bioaktive und entzündungsreduzierende Botenstoffe nachweisbar, so dass eine regelmäßige Obstzufuhr von besonderer Bedeutung ist.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass fettreiche Ernährung möglichst vermieden werden sollte, die Zusammenstellung der Fette und Öle ist von besonderer Bedeutung. Auf eine ausreichende Kalzium- und Vitaminzufuhr ist zu achten. Nichtsdestotrotz sind Kinder auch Kinder, so dass jedem Kind auch ein leidenschaftlich gegessenes Gericht nicht vorenthalten werden sollte. Diese gerade gegebenen Empfehlungen gelten natürlich auch für Erwachsene mit rheumatischen Erkrankungen und auch für Kinder und Jugendliche mit anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen etwa des Darmes oder der Nieren.

Hermann Girschick ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin