Sprechstunde

Mein Sohn hat große Angst vor jeder Spritze

Lena K. aus Schöneberg fragt: Mein Sohn Leon ist vier Jahre alt. Jedes Mal, wenn er beim Kinderarzt geimpft werden soll, fängt er vor Angst an zu weinen und will niemanden an sich heranlassen. Wie kann ich ihm die Angst nehmen?

Alle Menschen, und natürlich auch Kinder, empfinden Schmerzen unterschiedlich stark. Gerade Kinder sollten aber Schmerzen nicht ertragen müssen. Ich rate Ihnen deshalb, in Ihrer Kinderarztpraxis darauf aufmerksam zu machen und nach einem Kältespray oder Betäubungspflaster zu fragen. Das Pflaster muss allerdings eine Dreiviertelstunde vor dem Einstich aufgeklebt werden, damit die Betäubung wirkt.

Krankenhäuser verfügen gelegentlich über ein sogenanntes Schmerzertifikat, welches garantiert, dass strenge Leitlinien existieren, wie mit Schmerz umzugehen ist. Dies ist sehr wichtig, wenn längere Zeit Schmerzen bestehen, denn jeder Mensch hat ein "Schmerzgedächtnis". Das heißt, wenn über einen längeren Zeitraum Schmerzen empfunden werden, reagiert der Körper immer empfindlicher, bis schließlich bereits ein Anstupsen weh tut.

In unserer Klinik kontrollieren wir schon bei Babys dreimal am Tag den Schmerzzustand. Dafür gibt es verschiedene Parameter, etwa die Herzfrequenz, den Blutdruck, aber auch den äußeren Eindruck. Im Alter zwischen vier und sechs Jahren können die Kinder dann selbst auf einer Skala einschätzen, wie groß ihre Schmerzen sind. Dabei wählen sie aus einer Reihe von lachenden, neutralen und weinenden Gesichtern eines aus, das ihren Zustand beschreibt. Wir haben mit diesem Vorgehen im Klinikalltag sehr gute Erfahrungen gemacht. Wenn ein Kind Schmerzmittel in Form von Tabletten oder Saft eingenommen hat, kontrollieren wir nach einer Stunde, ob die Wirkung ausreicht.

Wenn wir ein Mittel gespritzt haben, überprüfen wir die Wirkung bereits nach einer halben Stunde. Denn egal ob ein Kind gerade operiert werden musste oder unter einer Ohrentzündung leidet: Es muss und darf nicht unter Schmerzen leiden.

Beatrix Schmidt , Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin