Kinderbuch

Der Wortakrobat von Helgoland

"Haltet die Welt an, vergesst die Zeit, ich will Geschichten erzählen", dieser Forderung von James Krüss kommt man gern nach, denn noch immer verzaubern seine Geschichten und Gedichte.

Immerhin zählt James Krüss noch heute zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren deutscher Sprache.

Am 31. Mai 1926 wurde der Schriftsteller auf der Nordsee-Insel Helgoland geboren. Der Vater war Elektriker, die Mutter Tochter eines Hummerfischers. Als Fünfjähriger verfasste James Jacob Hinrich Krüss bereits sein erstes Gedicht im Helgoländer Friesisch, mit zehn Jahren gründete er die Schülerzeitung "Die Kneifzange" als Protest gegen einen Lehrer, der seine Schüler immer in die Ohren kniff. Mit der Evakuierung aller Bewohner Helgolands im Zweiten Weltkrieg gelangte auch die Familie Krüss aufs Festland und lebte nach 1945 in Cuxhaven.

James Krüss machte ein Examen als Volksschullehrer, doch er unterrichtete nie - dafür wurde 1967 in Berlin die erste Schule nach ihm benannt. Krüss verlegte sich lieber aufs Schreiben. Bereits 1950 traf er Erich Kästner, der ihm Mut machte, sich ausschließlich der Kinder- und Jugendliteratur zu widmen.

1953 erschien das erste Bilderbuch "Hanselmann reist um die Welt", 1956 der Erzählband "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen" und später dann das Bilderbuch "Henriette Bimmelbahn" sowie "Mein Urgroßvater und ich". Die Erzählung um den Jungen Boy und seinen dichtenden Urgroßvater in der Helgoländer Hummerbude wurde mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Und aus diesem Werk hat sich ein wunderbarer Satz eingeprägt: "Wörter sind wie Kleider, mit denen man die Welt anzieht."

Sein bekanntestes Buch ist wohl "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" aus dem Jahre 1962. Die abenteuerliche Geschichte von dem Jungen, der selbst die unwahrscheinlichsten Wetten gewinnt, aber dafür nicht mehr lachen kann, machten James Krüss weltberühmt und liegt noch heute bei vielen Kindern auf dem Nachttisch. Und die Verfilmung des Buches, die erstmals in den Weihnachtsferien 1979/1980 als 13-teilige TV-Serie lief, avancierte zum Straßenfeger.

Krüss erfand auch die ABC-Gedichte, in denen jede Zeile mit einem neuen Buchstaben des Alphabets beginnt. Das neu aufgelegte Buch mit dem Titel "Von Anfang bis Zebra" (Carlsen-Verlag) wurde anlässlich des 85. Geburtstages von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum "Buch des Monats Mai 2011" gekürt. Doch auch sonst war Krüss ein Sprachgenie: Er übersetzte Texte aus dem Polnischen, dem Englischen und dem Italienischen, sprach selbst dazu noch holländisch und spanisch.

In den 60er- und 70er-Jahren entwickelte und moderierte James Krüss etliche Fernseh-Serien, darunter mit Udo Jürgens die ARD-Reihe "Jonny und Jenny - Alle Kinder dieser Erde". Diverse Langspielplatten mit Kinderliedern und Krüss-Texten entstanden daraus. Nationale und internationale Jugendbuchpreise folgten. Seit 1966 lebte Krüss mit seinem Lebensgefährten auf Gran Canaria, doch die Verbundenheit mit der norddeutschen Heimat blieb. So feierte er auch seinen 50. Geburtstag 1976 auf Helgoland, dessen "Historie" er zehn Jahre später in Verse brachte und mit eigenen Zeichnungen versah.

James Krüss starb 1997 in Spanien, bestattet wurde er vor Helgoland auf See. Seit September 2007 gibt es auf der Hochsee-Insel das James-Krüss-Museum als Teil des "Museums Helgoland" - untergebracht in nachgebauten Hummerbuden, in denen früher die Fischer gelebt und gearbeitet haben.