Studie: Bewegungsförderung

Viele Eltern verdrängen ihre Vorbildfunktion

Dass ausreichende Bewegung zu einem gesunden Lebensstil gehört, ist ein Allgemeinplatz. So wissen die meisten Eltern selbstverständlich, dass neben einer gesunden Ernährung auch körperliche Aktivitäten wie Toben, Sport oder das Spiel im Freien der Entwicklung ihrer Kinder gut tut

. Ihr Wissen im Alltag umzusetzen, fällt allerdings vielen schwer. Hinderungsgründe für eine ausreichende Bewegung ihrer Kinder sehen Eltern vor allem im Zeitmangel und bei zu wenigen Angeboten in Schule und Hort. Ihre eigene Vorbildfunktion erkennen sie weniger. Das ist das Ergebnis der Umfrage "Familien in Bewegung", die das Marktforschungsinstitut Iconkids&Youth jetzt für die Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (peb) durchgeführt hat. Sie befragte hierfür 716 Mütter von Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren.

Das Wissen ist also da, aber die äußeren Bedingungen machen es den Eltern schwer. So gelingt es nicht einmal der Hälfte der Befragten, die Erziehung zu einem gesunden Lebensstil auch durchzusetzen "wenn es mal stressig" wird. 66 Prozent der befragten Mütter gaben an, dass zu wenig Zeit im Alltag der Grund dafür sei, einen gesunden Lebensstil nicht immer optimal umsetzen zu können. Das fällt umso stärker ins Gewicht, je mehr Kinder im Haushalt leben. 80 Prozent der Mütter von mehr als zwei Kindern gaben an, nicht immer die Zeit zu haben, sich um alles zu kümmern.

Kaum eine der Befragten teilt dabei die Erziehungsaufgaben Ernährung oder Bewegung vorrangig dem Vater zu. Sie gaben an, dass sich lediglich acht Prozent der Väter maßgeblich um die Bewegungsförderung ihrer Kinder kümmern. Immerhin 40 Prozent teilen sich diese Aufgabe mit den Vätern. Das zeigt, dass es für motivierte Väter Bereiche gibt, die sie mit ihren Frauen teilen oder ganz übernehmen könnten. Denn die sehen sich gerade hier überfordert. Mehr als zwei Drittel der Mütter gaben an, dass es ihnen oft zu anstrengend ist, noch mit den Kindern zu toben. Da Väter als risikofreudiger und weniger ängstlich gelten, könnten sie zudem den Bewegungsdrang ihrer Kinder besser fördern.

Auch Kinderlärm kann zum Problem werden: 35,6 Prozent der Mütter ertragen die Lautstärke tobender Kinder nicht und animieren sie deswegen nicht zu ausgelassener Bewegung. Mehr als 40 Prozent sorgen auch aus Rücksicht auf die Nachbarn nicht immer für genügend Bewegung.

Unterschätzt wird laut peb-Studie die Vorbildfunktion. Nur ein Drittel der Mütter sieht im eigenen Erziehungsstil Gründe für den Bewegungsmangel der Kinder. Etwa 30 Prozent gaben an, ihre Kinder nicht bevormunden zu wollen. Nur elf Prozent glauben, ihre Kinder durch Reduzierung der Fernseh- und Computerzeiten zu mehr Bewegung motivieren zu können. Und nicht einmal 20 Prozent erkennen selbstkritisch ihren eigenen Bewegungsmangel. Sie verweisen lieber auf ihre beschränkte finanzielle Situation, zu wenig Platz in der Wohnung, und mangelnde Sportangebote in Kitas und Schulen. Wie wichtig auch die Bewegung im Alltag ist, werde weniger gesehen.