Forschung

Modemarken tragen zu Sexualisierung bei

Kleider machen Leute - und Mode soll, im besten Fall, ihren Träger verschönern. Doch sie kann auch verschleiern - das wahre Alter beispielsweise. Und dazu beitragen, dass Kinder weniger kindgerecht aufwachsen.

Denn: Modemacher steuern einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge dazu bei, dass bisweilen schon Grundschulmädchen aufreizende Kleidung tragen und sich bereits im Kindesalter das gängige Schlankheitsideal für Frauen aneignen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gerade veröffentlichte Studie der Psychologieprofessorin Sarah K. Murnen vom Kenyon College im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio, für die sie gemeinsam mit ihren Studenten die Internetseiten von 15 Kindermodeherstellern in den USA untersuchte. Die Studie zu sexualisierenden Merkmalen von Mädchenkleidung mit dem Namen "'Putting on' Sexiness: A Content Analysis of the Presence of Sexualizing Characteristics in Girls' Clothing" wurde in der Fachzeitschrift "Sex Roles" veröffentlicht, die von der deutschen Springer-Gruppe verlegt wird.

Für die Untersuchung beurteilten die Forscher knapp 5700 Kleidungsstücke danach, ob sie eher kindlich wirkten, einen bestimmten Körperteil betonten oder Merkmale hatten, die gemeinhin als aufreizend gelten. Zu letzterem zählten etwa Leopardenmuster oder Spitzenwäschestoff. Als kindlich wurde zum Beispiel ein pastellfarbenes Oberteil mit Schmetterlingsdruck eingestuft, als körperbetont wiederum ein Bikini, der die Brust mit dreieckigen Stoffstücken bedeckte, aber auch hervorhob.

Das Ergebnis: 69 Prozent der Kleidung sahen demnach kindlich aus. Vier Prozent hatten sogenannte sexualisierende Merkmale - und 25 Prozent der Kleidungsstücke hatte von beidem etwas. Dadurch werde die verfrühte Sexualisierung von Mädchen "verschleiert", erklärten die Wissenschaftler in der Studie. Eltern könnten sich beim Kauf der Kleidung täuschen lassen und einen aufreizenden Minirock im Leopardenmuster für ihre Tochter kaufen, bloß weil er rosarot gemustert sei.

Die bei jungen Leuten beliebte US-Modemarke Abercrombie war vor einigen Jahren in die Kritik geraten, weil sie in der Kinderkollektion unter anderem Stringtangas mit Aufdrucken wie "Winke, winke" und "Süßes fürs Auge" führte. Auch die britische Modekette Primark nahm Bikinis aus dem Sortiment und entschuldigte sich sogar öffentlich, nachdem es heftige Kritik an einer Bikinikollektion für Mädchen gegeben hatte, die die Kinder zu früh sexualisiere. Bei den betreffenden Oberteilen der Strandbekleidung waren unter dem pinkfarbenen Stoff mit goldenen Sternen Push-Up-Polster eingenäht gewesen, die britische Boulevardzeitung "Sun" empörte sich auf ihrer Titelseite über den "Pädophilen-Bikini".

Modedesigner geraten immer mal wieder in die öffentliche Kritik. Zuletzt war viel über sogenannte Magermodels diskutiert worden. Weil - vermutlich bulimiekranke - erwachsene Frauen mit den Körpern von Mädchen bei Schauen über die Laufstege geschickt werden, würde sich das Schönheitsideal der Gesellschaft dahingehend verändern, dass weibliche Figuren als dick und magersüchtige Körper als normal empfunden würden.