Sprechstunde

Müssen die Warzen meines Sohnes behandelt werden?

Monika S. aus Wittenau fragt: Mein Sohn (8 Jahre) hat seit 3 Wochen mehrere kleine Hautstellen am Oberarm. Meine Kinderärztin sagt, es seien Dellwarzen und man könne beruhigt abwarten. Stimmt das wirklich?

Was Sie beschreiben, könnte tatsächlich gut zu Dellwarzen passen. Das sind kuppelartige Erhebungen von wenigen Millimetern Größe, die oft in Gruppen auftreten. Sie haben eine typische "Delle" in der Mitte, die mit Krümel-artigem Material besetzt ist. Oft lässt sich auch ein zäher Pfropf herausdrücken, die Stellen können jucken und gerötet sein. Bei Kindern finden sie sich besonders häufig an der Haut von Gesicht, Hals, Achsel- und Ellenbeugen sowie Oberschenkeln, aber auch an Brust, Bauch und Rücken.

Dellwarzen gehören in die Kategorie "lästig aber harmlos" und heilen tatsächlich von alleine wieder ab - es kann allerdings 6 Monate bis 2 Jahre dauern.

Dellwarzen sind Ausdruck einer Infektion mit ungefährlichen Verwandten der Pockenviren, welche die Haut befallen. Dort vermehren sich die Erreger in den Zellen der Hornschicht, die Warze enthält ganz viele neue Viren. Beim Aufkratzen werden sie mit dem Fingernagel verteilt, so entstehen Felder von manchmal bis zu hundert Dellwarzen. Die Übertragung von einem Menschen zum nächsten geschieht über direkten Kontakt, gemeinsame Handtuch-Benutzung oder Schwimmbadwasser. Dies ist seit über 100 Jahren bekannt und hat der Krankheit ihren Namen "Molluscum contagiosum" (= weich und ansteckend) eingebracht.

Ein gesundes Immunsystem wird mit der Bekämpfung der Viren gut fertig, so dass alle Hauterscheinungen folgenlos abheilen. Anders ist das bei Menschen mit einer Abwehrschwäche (angeboren, HIV-Infektion, Chemotherapie) oder einer Hauterkrankung (Neurodermitis, Schuppenflechte): Sie können sehr viele oder sehr große Dellwarzen bekommen, die manchmal Narben hinterlassen. Bei diesen Risikopatienten ist daher eine Behandlung anzuraten, ebenso bei Kindern und Jugendlichen mit fortschreitender Ausbreitung über mehr als 3-6 Monate oder zur Verhinderung einer weiteren Übertragung.

Zur Behandlung stehen mehrere Methoden zur Verfügung: Das Auskratzen mit Instrumenten hilft rasch, kann aber Narben verursachen und Viren in die Umgebung verschleppen. Vereisen ist ebenfalls effektiv, führt aber wie eine Laser-Therapie manchmal zu Narben oder Verfärbungen der Haut. Dem örtlichen Schmerz bei der Behandlung sollte durch eine oberflächliche Betäubungs-Creme vorgebeugt werden. Als neueres Verfahren hat sich das regelmäßige Auftragen von Salben mit Virusmitteln (z.B. Imiquimod, Cantharidin) oder schwach ätzenden Stoffen bewährt. In den wenigen veröffentlichten Vergleichsstudien war allerdings keine dieser Therapien den anderen bzw. dem Abwarten eindeutig überlegen - insofern ist der Rat Ihrer Kinderärztin absolut korrekt. Aus den verschiedenen dargestellten Möglichkeiten muss für jeden Betroffenen gemeinsam das Passende ausgewählt werden: Wenn Ihr Sohn sehr viele, große, hartnäckige oder ungünstig gelegene Dellwarzen bzw. einen Risikofaktor von Seiten der Haut oder des Immunsystems hat, sollte die Kinderärztin einen Behandlungsversuch veranlassen. In allen anderen Fällen ist beruhigtes Abwarten die beste Vorgehensweise. Dabei wünsche ich Ihnen viel Geduld und Erfolg!

Michael Barker, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin