Ratgeber

Muss ich nach der Trennung Steuern nachzahlen?

Meine Frau und ich haben immer zusammen eine Steuererklärung abgegeben, weil ich der Hauptverdiener bin. Im vorigen Jahr haben wir uns getrennt. Das Finanzamt schickt mir nun einen Bescheid, dass ich für 2007 fast 10000 Euro Steuern nachzahlen soll, weil meine Frau für 2007 nachträglich die getrennte Veranlagung beantragt hätte. Muss ich das hinnehmen? Rainer G., Steglitz

Die Auskunft des Finanzamtes ist jedenfalls korrekt. Eheleute werden zusammen zur Steuer veranlagt, wenn sie nichts anderes beantragen. Jeder von ihnen kann aber getrennte Veranlagung verlangen. Das Finanzamt muss dem folgen, auch wenn Sie selbst das gar nicht wollen. Bei der getrennten Veranlagung ist die gesamte Steuer normalerweise höher. Sie steigt vor allem für denjenigen, der das höhere Einkommen hatte. So kommt Ihre Nachzahlung zustande.

Obwohl das steuerlich richtig ist, kann es familienrechtliche Gründe geben, weshalb Sie diese Belastung nicht ohne weiteres hinnehmen müssen. Sie können möglicherweise von Ihrer Frau verlangen, dass sie ihren Antrag beim Finanzamt zurücknimmt und wieder der Zusammenveranlagung zustimmt. Wenn sie das freiwillig nicht tut, können Sie sie darauf beim Familiengericht verklagen. Ob die Klage auch Erfolg hat, hängt allerdings vom Einzelfall ab.

Ihre Frau ist jedenfalls verpflichtet, den Antrag beim Finanzamt zurückzunehmen, wenn sie ihn nur gestellt hat, um Ihnen zu schaden. Wenn Ihre Frau 2007 kein eigenes Einkommen hatte, dann hat sie von der getrennten Veranlagung keinerlei Vorteil, sondern nur Sie haben einen Schaden. Es kann aber auch sein, dass Ihre Frau von dem Finanzamt bei der getrennten Veranlagung einen gewissen Betrag erstattet bekommen hat und Sie dafür mit der Nachzahlung belastet wurden. Dann geht es ihr nicht nur darum, Ihnen zu schaden, sondern es ging ihr um ihren eigenen steuerlichen Vorteil. Dieser Vorteil steht ihr zu, seit Sie getrennt leben. Im Jahre 2007 waren Sie noch nicht getrennt. Vermutlich hat damals die ganze Familie von Ihrem Einkommen gelebt, und das Geld vollständig ausgegeben. Ihre Frau hat davon mit profitiert. Über die Steuererstattung würde sie ein zweites Mal davon profitieren, und Sie müssten das über die Steuernachzahlung finanzieren. Damit würde Ihre Frau gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstoßen. Sie muss sich also an die frühere Verabredung zur Steuerveranlagung halten, und sie muss den Antrag beim Finanzamt zurücknehmen.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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