Angst vor Missbrauch

Viele Eltern misstrauen männlichen Erziehern in Kitas

Eltern, Kita-Träger und Politik möchten mehr Männer als Erzieher gewinnen - doch Fälle wie der des Pädagogen und mutmaßlichen Kindsmörders Martin N. erschweren ihnen den Einstieg.

"Sie verstärken das ohnehin latent vorhandene Misstrauen, männliche Erzieher könnten ihre Stellung zum Kindesmissbrauch ausnutzen", erklärt Jens Krabel von der vom Bundesfamilienministerium geförderten Koordinationsstelle "Männer in Kitas" in Berlin. Im Kita-Alltag halten sich manche männliche Erzieher demonstrativ zurück, verzichten auf Umarmungen und darauf, ein Kind auch mal auf den Schoß zu nehmen.

"Auch die männlichen Erzieher haben das Thema Missbrauch bei der täglichen Arbeit im Kopf und denken: Ich muss aufpassen, ich darf den Kindern nicht zu nahe kommen, das könnte missverstanden werden", erläutert Krabel. Dabei würde nach einer 2010 vorgelegten Studie des Forschungsprojekts "Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten" eine große Mehrheit der Eltern ihr Kind einem männlichen Erzieher bedenkenlos anvertrauen. Doch immerhin 40 Prozent der befragten Eltern gaben zu, an die Gefahr eines möglichen Missbrauchs schon gedacht zu haben. Das Ausmaß des Misstrauens sei nicht bekannt - aber: "Es gibt immer wieder mal Eltern, die explizit nicht wollen, dass Männer ihre Kinder wickeln."

Dabei sind der Studie zufolge nur 2,4 Prozent der Erzieher mit einer pädagogischen Ausbildung Männer. Gegen das Misstrauen helfe nur Offenheit, sagt Krabel. "In manchen Kitas werden deshalb alle Türen offen gelassen, damit jeder die Arbeit des anderen sehen und kommentieren kann."