Mamas & Papas

Ein unvergessliches Osterfest

Wir sind eine traditionsverbundene Familie. Ostern bleiben wir zuhause oder fahren weg. Dieses Jahr hat das kontoführende Familienoberhaupt auf Heimatferien entschieden. Unsere Goldvorräte brauchen Schonung. Und wohin überhaupt?

Rund ums Mittelmeer ist es zu unruhig. Die Ostsee wird überlaufen sein. Und Sylt wird überbewertet. Zuhause ist es auch mal schön. Doch mit dieser Entscheidung war unser sozialer Abstieg zementiert. Karl will nicht zurück in die Schule, weil wir über die Ostertage nicht mindestens Heli-Skifahren in Bhutan oder Lachse angeln in Neufundland. Selbst der kleine Hans guckt vorwurfsvoll. Er sitzt praktisch allein in der Kita, weil die besserverdienenden Mitkinder sich auf Ayurveda-Farmen fit machen lassen für ihr Leben als Führungskraft. Sogar Lehmanns von oben sind weg, "aufm Grundstück", wie sie zu ihrem morschen Bauwagen sagen, der irgendwo in der mecklenburgischen Brache vor sich hingammelt.

Damit diese Demütigung unseren Kindern keinen bleibenden Schaden beschert, stehe ich also in der Pflicht, ein unvergessliches Osterfest zu zaubern. Aber wie geht das? Ist Jesus nicht grausam hingerichtet worden vor knapp 2000 Jahren? Was gibt es da zu feiern? Zumal in den Eiern bestimmt noch Rest-Dioxin vom letzten Skandal schlummert. Schokolade ist erst recht verboten angesichts meines ambitionierten Plans, dieses Jahr mit einer Bikini-Figur durchs Strandbad Wannsee zu stolzieren. Die Frauenzeitschriften mit Oster-Tipps sind leider ausverkauft. Dafür erklärt mir Hans, was ich zu tun habe. Unser kleiner Diktator hat einen Wunschzettel gemalt, von weihnachtlichem Umfang. Gotthilf-Maria aus seiner Kita-Gruppe bekäme Lego, Playmobil, Dragonball, Beyblades und ein echtes Starwars-Raumschiff zu Ostern, behauptet Hans. Früher haben wir uns über drei bunte Zuckereier gefreut. Und was ist mit den logistischen Problemen? Wo soll man in einer Etagen-Wohnung Ostereier verstecken? Wie kriegt man das Raumschiff unters Sofa? Wir könnten die Eiersuche an den Viktoria-Luise-Platz verlegen. Allerdings müssten wir jedes Ei persönlich bewachen, weil zwölf Großfamilien gleichzeitig die Beete nach Süßem durchkämmen. Karls Osterbeute würde sich womöglich auf zwei alte Batterien beschränken und etwas Helles, das er triumphierend auf einem Stock schwenken und für einen Luftballon halten wird.

Vielleicht fahren wir doch noch weg, am besten mitten in der Nacht, wenn die Kinder schlafen. Morgens schlagen wir dann unser Zelt in einem Waldstück auf und behaupten, es sei Finnland, auch wenn wir nur bis kurz vor Frankfurt/Oder gekommen sind. Ich werde eine Handvoll Schokoeier in den Wald feuern, dann sind die Kinder beschäftigt. Wir schnitzen Stöcke, spießen Würste auf und grillen sie schwarz. Leider wird dieser brillante Osterplan an der Sperrmajorität von 75 Familienprozent scheitern.

Nächste Woche schreibt an dieser Stelle wieder Susanne Leinemann