Ratgeber

Muss ich meinen Noch-Ehemann wieder aufnehmen?

Mein Mann und ich haben gemeinsam eine Eigentumswohnung. Die Kreditraten teilen wir uns. Wir haben uns schon seit längerer Zeit viel gestritten, auch weil mein Mann eine Freundin hatte. Vor einem Jahr ist er zu ihr gezogen. Ich wohne zurzeit mit unseren beiden Kindern alleine in der Wohnung. Jetzt will er wieder bei mir einziehen. Hat er darauf ein Recht? Melanie F., Siemensstadt

Die Wohnung, in der die Eltern mit den Kindern zusammenleben, ist die Ehewohnung. Für die Ehewohnung gelten besondere Nutzungsvorschriften. Der Charakter als Ehewohnung bleibt auch dann erhalten, wenn einer der beiden Eheleute ausgezogen ist. Grundsätzlich haben Sie alle beide das Recht, in der Ehewohnung zu wohnen. Keiner kann den anderen aus der Wohnung gegen dessen Willen hinausdrängen. Wem die Wohnung gehört, spielt dabei keine Rolle. Deshalb hat normalerweise auch derjenige, der im Streit aus der Wohnung ausgezogen ist, das Recht, dorthin wieder zurückzukehren.

Dieses Recht auf Rückkehr hat Ihr Mann aber verloren, weil sein Auszug mehr als sechs Monate zurückliegt und er damit sein Recht an der Ehewohnung aufgegeben hat. So ist es im Gesetz geregelt. Ihr Mann kann deshalb, nachdem er ein Jahr lang bei seiner Freundin gelebt hat, nicht verlangen, dass Sie ihn wieder aufnehmen. Dass er als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen ist, ändert daran nichts.

Ihr Mann hat natürlich nicht alle Rechte an der Wohnung verloren. Sein Eigentum steht ihm weiterhin zu. Er kann die Wohnung zwar nicht selber nutzen, er kann aber verlangen, dass sie verkauft und der Erlös zwischen Ihnen aufgeteilt wird. Dafür kann er notfalls auch die Zwangsversteigerung der Wohnung verlangen. Durch den Verkauf oder die Versteigerung ändert sich aber nichts an Ihrem Recht, die Wohnung alleine zu nutzen. Sie können verlangen, dass Ihr Mann mit Ihnen einen förmlichen Mietvertrag über seine Hälfte abschließt. Sie müssen ihm dann Miete bezahlen. Das wird halb so viel sein, wie Sie für eine Mietwohnung zahlen müssten, denn eine Hälfte gehört Ihnen ja selbst. Den Mietvertrag muss ein Käufer der Wohnung übernehmen. Mit diesem Mietvertrag wird sich aber nur schwer ein Käufer für die Wohnung finden lassen.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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