Großeltern

Wenn Erziehungsfragen für Konflikte sorgen

So unersetzlich die Mithilfe der Großeltern in vielen Familien ist: Nicht selten sorgt sie auch für Konfliktstoff zwischen den Generationen. Ob es um Tischmanieren geht, die Zubettgeh-Zeiten oder Süßigkeiten - oft gibt es darüber unterschiedliche Meinungen und Unstimmigkeiten, welche Regeln gelten sollen. Eltern fühlen sich bevormundet, Großeltern verunsichert oder nicht gewertschätzt. Der Streit ist vorprogrammiert.

Um solchen Konflikten vorzubeugen und ein Forum für den Austausch zu schaffen, hat die Caritas ihre Erziehungsberatungskurse für alle Generationen geöffnet. Sie lädt unter dem Titel "Mehrgenerationenkurs Kess erziehen" neben Müttern und Vätern explizit auch Großmütter und Großväter ein, die Kinder zwischen zwei und zehn Jahren betreuen. Anfang Mai startet der vierte Kurs dieser Art - je zur Hälfte reserviert für Mamas und Papas beziehungsweise Omas und Opas.

In dem Kurs geht es zunächst darum, dass sich Erziehungsziele im Lauf der Zeit verändern, weil sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung im Zusammenhang stehen. "Wenn man das verstehen und respektieren lernt, gibt es schon einen großen Fortschritt im Verhältnis zwischen den Generationen", sagt Sabine Schäfer, die den Kurs konzipiert hat.

In den weiteren Einheiten werden aktuelle Erziehungsinhalte besprochen und neue Erkenntnisse aus der Forschung vermittelt. Die Themen lauten zum Beispiel: Wie kann ich Kinder besser verstehen? Wie setze ich Grenzen und übe Konsequenz? Wie ermutige ich Kinder? Die Schlusseinheit widmet sich dem Thema Kooperation - zwischen Eltern und Kindern, Großeltern und Kindern sowie Eltern und Großeltern. "Jede Generation schaut für sich: Wo stehen wir? Was brauchen wir? Was bieten wir? Und dann entwickeln wir gemeinsam Konfliktlösungsstrategien", erklärt Sabine Schäfer. Gearbeitet wird in den Kursen mit theoretischen Einheiten, Rollenspielen sowie mit Gruppenübungen.

"Es hat mir sehr geholfen, mich mit anderen Frauen auszutauschen", sagt Christa Christ-Graven, die kürzlich an einem der Kurse teilgenommen hat. Die 69-Jährige betreut regelmäßig ihre drei Enkel zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren. Dabei ergeben sich immer mal wieder Probleme und Missverständnisse zwischen ihr, ihren Söhnen und ihren Schwiegertöchtern. "Ich komme aus einer Kriegsgeneration und kann es nicht haben, wenn mit Essen gespielt wird", nennt sie ein Beispiel. "Aber meine Kinder sehen das lockerer, so wie sie überhaupt viel weniger streng sind, als ich es im Umgang mit meinen Enkeln bin."

Im Kurs übte Christa Christ-Graven, die Haltung der heutigen Eltern besser zu verstehen. Was sie als Verwöhnen empfindet, ist für die Eltern womöglich genau der richtige Weg, weil sie andere Schwerpunkte setzen - oder ihr Verhalten entspringt einer Unsicherheit, Grenzen zu setzen. "Aber auch das muss ich akzeptieren", hat Christa Christ-Graven gelernt: "Ich kann meine Erfahrungen nicht einfach weitergeben, sondern jeder muss seine eigenen machen." Die engagierte Großmutter berichtet, dass sie nach dem Kurs "Erleichterung" gespürt habe - aber auch den Wunsch, den Dialog fortzusetzen.

Damit steht Christa Christ-Graven nicht allein. Oft organisierten die Teilnehmerinnen Nachtreffen, berichtet Sabine Schäfer. "Es gibt heutzutage eine große Erziehungsunsicherheit, weil es so viele Möglichkeiten gibt", sagt sie. "Umso wichtiger ist es, sich auszutauschen - und den unterschiedlichen Ansichten mit Wertschätzung zu begegnen."

Der nächste Mehrgenerationenkurs Kess Erziehen findet ab 11. Mai statt. Er besteht aus sechs Einheiten (jeweils mittwochs, 9.30 bis 12.30 Uhr). Ort: Caritasverband, Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Große Hamburger Straße 18, Mitte. Es gibt noch freie Plätze. Die Teilnahme ist kostenlos, das Kursmaterial kostet 7,50 Euro. Weitere Infos und Anmeldung: Tel. 66 63 34 70.