Bildung

Wenn die Berufswahl ansteht, sollten Eltern Vorbilder suchen

Ob ihre Tochter später Mechatronikerin wird, können Eltern nicht direkt beeinflussen - wohl aber, ob sie sich unter dieser Tätigkeit überhaupt etwas vorstellen kann. Um Kinder neugierig auf nicht geschlechtstypische Berufe zu machen, sollten Eltern versuchen, Bekannte oder Verwandte einzubinden.

Ein Schnupperpraktikum ist ein guter Anfang: "Kinder lernen am Vorbild", erklärt Peter Wellmann, Studiendekan an der Technischen Fakultät der Uni Erlangen-Nürnberg, mit Blick auf den Girls' und Boys' Day am kommenden Donnerstag. Mädchen sollen an diesem Tag typische Männerberufe kennenlernen, Jungs von Frauen geprägte Berufsbilder.

Es gehe darum, den Kindern Möglichkeiten zu eröffnen. Ein einzelner Aktionstag im Jahr reiche dafür nicht. "Ohne viel Aufwand kann man den Sohn zum Beispiel einen Tag mit zur Arbeitsstelle der Mutter und die Tochter zum Vater schicken", rät Ursula Fuhrich-Grubert, Frauenbeauftragte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Damit sich Kinder eher ungewöhnliche Berufe zutrauen, gelte es Denkbarrieren zu durchbrechen, betont Wellmann. So sollten Eltern eingreifen, wenn Verwandte Kommentare abgäben wie: "Das ist doch nichts für Mädchen" oder "So etwas machen Jungs doch aber nicht." Berufsvorstellungen werden häufig im Kindergarten oder der Schule vermittelt. Auch hier können Eltern versuchen, gegenzusteuern: "Kommt meine Tochter nach Hause und erzählt, dass der Mathelehrer Mädchen die Fähigkeit für das Fach abspricht, dann muss ich einschreiten und mit demjenigen reden", sagt Ursula Fuhrich-Grubert. Geschlechtsstereotypen seien so unbewusst verhaftet, dass sie immer wieder weitergegeben werden.

Der Einflussnahme der Eltern sind aber Grenzen gesetzt: Letztlich bleibt ihnen nur, ihre Kinder in ihrem Berufswunsch zu unterstützen. Mädchen zum Physikstudium oder Jungs zur Ausbildung zum Geburtshelfer überreden zu wollen, sei zwecklos, warnt Peter Wellmann: "Das kann Gegenwehr provozieren."