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Mein Enkel ist nur am Quengeln - wie bringen wir ihn zur Räson?

Mein Enkel (15 Monate) ist nur am Quengeln. Ob beim Essen oder Spielen, es vergehen keine drei Minuten, bis er anfängt zu jammern. Er unterbricht ständig die Unterhaltung zwischen uns und seinen Eltern und scheint nicht imstande, sich auch nur 30 Sekunden einem Spielzeug zu widmen. Alles wird durch die Gegend geworfen, auch Essen und Trinken. Was tun? Christiane W., Spandau

Ihr Enkel ist in einem Alter, in dem viele unserer Erwachsenenansichten von angemessenem Verhalten noch nicht selbstverständlich sind. Er möchte und muss die Welt erforschen - die Gesetzmäßigkeiten der Natur und die Regeln seiner sozialen Umwelt - und er muss lernen, sich mit der Realität zu arrangieren. Dies ist für jedes Kind ein langer und nicht immer einfacher Prozess. Die Aufgabe der Eltern ist es, diesen Weg strukturierend und unterstützend zu begleiten.

Noch ist Ihr Enkel sehr auf die Aufmerksamkeit seiner Eltern angewiesen. Er wünscht sich, dass sie jederzeit zur Verfügung stehen. Und auch die Fähigkeit, sich allein mit etwas zu beschäftigen, muss noch gelernt und gefördert werden. Sie können ihm helfen, beim Spielen selbstständiger zu werden, indem Sie ihn (ohne ständig Vorschläge zu machen) viel allein ausprobieren lassen. Wenn er nicht mehr weiter weiß, können Sie ihm einen Impuls ("Was könntest Du noch in die Dose füllen?") oder eine kleine Hilfestellung geben. Zur Entwicklung zur Selbstständigkeit gehört auch ein gewisser Freiraum, die Umgebung angstfrei erkunden zu dürfen, ohne dass gleich Verbote durch Erwachsene kommen. Ähnliches gilt fürs Essen, auch hier müssen die in einer Familie geltenden Regeln erst erlernt werden. Am besten lernen Kinder durch das Vorbild. In einer angenehmen Atmosphäre am Tisch, in der ein Kind nicht zu streng beobachtet und nicht zum Essen gezwungen wird, hat es nach einiger Zeit selbst ein Interesse daran, zu werden wie "die Großen".

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

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