Zooreporter

Spektakuläre Geburt auf dem Fischmarkt in Tokio

Spektakulärer kann man kaum auf die Welt kommen, als auf einem Fischmarkt in Tokio aus dem Bauch der eigenen Mutter geschnitten zu werden. Die Mutter war ein Hai. Viele Menschen schätzen diese Fische mehr in ihrer Suppe als im Meer - also muss sie jemand fangen und verkaufen.

Doch als der Verkäufer sie im Jahr 2004 auf dem Markt zu Haihappen verarbeite, glitschten plötzlich zwei Jungtiere aus den Gebärmuttersäcken heraus. Manche Haie sind lebendgebärend, sie tragen ihre Eier im Mutterleib aus. Wegen dieser Aufgabe sind die Weibchen größer als die Männchen.

Die Schnittgeburt in Tokio hat nur eines der zwei Tiere überlebt - der Verkäufer hatte so viel Güte, es zu retten. "Er rief einen Fischhändler an, der kaufte ihm Nicki ab. Zwei Jahre später ist das Tier dann zu uns gekommen", erzählt Christian Heller, Reviertierpfleger im Aquarium Berlin.

Mit 80 Zentimetern kam Nicki auf die Welt. Heute ist sie mit 2,10 Meter Länge der größte Hai in Becken Nr. 19 Sie dreht ihre Runden um Ammenhaie und Schwarzspitzen-Riffhaie, um Zebrahaie und um einen Teppichfransenhai namens Wobbegong.

Alle drei Wochen macht Heller Nickis Becken sauber und hat dabei immer die Fische im Blick. Schwimmen sie schnell oder langsam, hektisch oder ruhig? "Wichtig ist, dass alles entspannt bleibt."

Dass ihn einer frisst, ist unwahrscheinlich. Denn an den Tagen, an denen Heller und seine Kollegen sauber machen, wurden die Haie natürlich schon gefüttert.

Gereinigt wird immer außerhalb der Öffnungszeiten, sonst könnte ein unbedachter Besucher die Tiere erschrecken. Die würden dann zackige Bewegungen machen und sich gegenseitig hochschaukeln. Haie spüren Bewegungen durch einen besonderen Ferntastsinn. Das Organ zieht sich wie eine Linie längs jeder Körperseite. Feine Wimpernzellen spüren jede Druckveränderung im Wasser, ausgelöst durch Bewegungen.

Keiner aus der Putzkolonne will Nicki im Weg stehen. Schließlich hat sie ein massives Gebiss. Ihre dolchartigen Zähne stehen so weit vor, dass sie sogar bei geschlossenem Mund zu sehen sind. Das ist typisch für Sandtigerhaie - und es hat Nicki ihren Namen eingebrockt. Denn ihr Gebiss hat die Tokioter Fischhändler an einen populären Österreicher erinnert: Niki Lauda. Der Mann fährt so gut Auto wie Nicki schwimmt. "Sie kann sich auf der Stelle um 180 Grad drehen", sagt Heller. Einbuddeln im Sand nutzt auch nichts. Durch ein anderes Spezialorgan am Kopf, die Lorenzinischen Ampullen, nehmen Haie elektrische Felder wahr. Die sendet jedes Lebewesen aus. Sogar reglos. Ein Herzschlag reicht.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

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