Erziehung

Es sieht nur so aus, als sei es unordentlich...

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Felix Piccarreda

Wasserpistolen, Nintendo, den Ball vom Tischkicker - wenn ich so richtig darüber nachdenke, habe ich eigentlich immer alles greifbar, was ich gerade brauche. Auch wenn es in meinem Zimmer nicht unbedingt so aussieht. Meine Mutter bekommt immer die Krise, wenn sie das Durcheinander sieht.

Aber wer sagt eigentlich, wann ein Zimmer ordentlich ist? Meine Mutter und ich sind uns da jedenfalls nicht einig. Für sie darf nichts herumliegen, alles soll an seinem Platz stehen. Aber dann kann man mit den Sachen ja gar nichts anfangen. Ich will nicht immer sofort alles wegräumen müssen, manchmal spiele ich ja am nächsten Tag einfach weiter. Ich habe in meinem Zimmer meine ganz eigene Ordnung. Auch bei mir hat jedes Ding seinen Platz. Aber der ist halt nicht fest. Ein Buch muss für mich nicht unbedingt im Bücherregal stehen. Es kann auch auf dem Fußboden liegen, weil ich es vielleicht genau da gerade gebraucht habe. Und auch meine Pokale vom Fußball und Spielfiguren baue ich gern mal auf dem Fußboden neben meinem Bett auf. Am nächsten Tag stören sie mich da vielleicht und ich baue sie um auf den Schreibtisch. Ein Fremder würde die Sachen so natürlich nicht finden. Aber muss er ja auch nicht. Es ist ja nur wichtig, dass ich weiß, wo alles ist.

Naja, manchmal verlier ich leider auch den Überblick. Und dann suche ich wie verrückt nach einer bestimmten Sache. Ich kann dann ziemlich sauer werden, wenn das Ding einfach verschwunden bleibt. Ich mache dann alle Schubladen auf und wühle überall herum. Das nervt schon. Aber noch schlimmer ist, dass meine Mutter mir dann einen Vortrag über meine Unordnung hält. Sie meint, dass man die Sachen besser findet, wenn sie immer am gleichen Ort stehen. Ich schalte dann auf Durchzug und gebe lieber meiner kleinen Schwester die Schuld. Mit der teile ich mir ein Zimmer. Sie ist acht Jahre alt und wirklich total unordentlich. Sie schmeißt einfach alles um sich und lässt die Sachen da liegen, wo sie gerade steht. Mit Anziehsachen mache ich das auch ein bisschen so. Um die kümmere ich mich wirklich gar nicht. Die ziehe ich abends aus und lasse sie mitten im Zimmer liegen. Das regt meine Mutter ziemlich auf. Ein bisschen kann ich das auch verstehen. Denn wenn sie die Sachen nicht jeden Tag wegräumen würde, hätten wir bald einen riesigen Klamottenberg mitten im Zimmer.