Erziehung

Mama, wo ist denn...? Chaos gehört zu mir

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Aniko Schusterius

Ordnung war noch nie meine Stärke. Auch wenn ich Stunden suche und mein Zimmer auf den Kopf stelle, das gewünschte Objekt bleibt fern. Seit ich in die Schule gehe, gibt es einmal jährlich in den Sommerferien den blauen Tag.

Der blaue Tag, ein Tag an dem Verschwundenes auftaucht und Verschollenes wiederkehrt. Blau steht für blauer Müllsack. In den flog alles, was auf der Erde lag oder nach Meinung meiner Eltern überflüssig war. Meine Mutter hat ihn eingeführt, weil mein Chaos so schlimm geworden war, dass man manchmal nicht mal mehr meine Zimmertür öffnen konnte.

Früher war dieser Tag für mich toll. Zusammen mit meiner Mutter räumte ich mein Zimmer gründlich auf. Dabei fanden wir so manches vermisste Kuscheltier wieder. Mittlerweile habe ich nach jedem blauen Tag ein Problem, ich finde nichts wieder. Meine Mutter nervt erst mein Chaos und mich anschließend die neue Ordnung. Die nachfolgenden Wochen frage ich sie dann, wo wir was hingeräumt haben. Vielleicht will ich es mir nicht merken. Sachen, die ich benutze oder getragen habe, lege ich nie wieder dahin, wo sie waren. Klamotten schmeiße ich auf den Stuhl oder über meine Bettkante, um sie später wegzuräumen. Wobei "später" keine genaue Zeitangabe ist. Auf dem Fußboden stapeln sich mein Schulkram und Bücher. Auf meinem Schreibtisch liegen Stifte rum, Kleinkram wie Haarspangen und manchmal auch Geschirr. Bevor ich ihn benutze, schaffe ich mir mit meinen Armen Platz. Was runterfällt, tritt sich fest. Wenn Besuch kommt, stopfe ich meine Klamotten in den Schrank und hoffe, dass die Tür standhält. Meine Mutter bringt das zur Weißglut.

Ich habe eben wenig Zeit. Am Wochenanfang ist meist noch alles gut. Meine Sachen sind im Schrank und alles hat seinen Platz. Dienstag lege ich meinen Schulkram ab und hetze gleich zur Musikschule. Es bildet sich der erste Haufen, den ich nicht wegräume. Donnerstag wird es noch kritischer. Frisch gebügelte Sachen türmen sich dann auf meinem Bett, meine Schultasche landet in der Ecke. Freitag bin ich froh, wenn die nötigen Dinge für die Schule noch nicht verschwunden sind. Samstags treffe ich oft Freunde, meine Sachen landen eingequetscht in Schränken und Kisten. Am Sonntag nervt mich dann die Unordnung. Spätestens jetzt müsste ich anfangen aufzuräumen. Doch dann tue ich es doch nicht immer.