Sicherheit

Gefahr auf dem Spielplatz

Pauline (5) und Kita-Freund Levi (5) tollen über den Spielplatz am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Wippen, Schaukeln, Klettern. Dass das alles gefährlich sein könnte, glauben ihre Eltern nicht. Die Spielgeräte am "Helmi" sind vergleichsweise gut in Schuss. Die Eltern ärgern sich hier über andere Probleme: Kippen im Sand, pöbelnde Jugendliche, Trinker, Schmierereien.

Gegen Ratten hätten Anwohner schon einmal Gift ausgelegt, erzählen Eltern. "Ich will nicht auf einen Spielplatz gehen und ständig Angst haben, mein Kind könnte sterben", sagt Paulines Mutter Mareen Hempel.

Rattengift auf dem Spielplatz - das ist glücklicherweise selbst in Berlin eine Ausnahme. Doch auf vielen Spielplätzen lauern Gefahren ganz anderer Art. Das hat ein Test der Prüforganisation Dekra ergeben, dessen Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Die Experten haben zehn nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Berliner Spielplätze stichprobenartig untersucht. Und sie stellen den Anlagen ein bedenkliches Zeugnis aus. Nur zwei Plätze waren einwandfrei. Auf vier Anlagen gab es geringfügige Schäden. Die restlichen vier wiesen schwere Schäden auf. Von den getesteten 49 Spielgeräten fielen 38,8 Prozent durch - von den 19 festgestellten Mängeln waren zehn schwer und neun geringfügig. Die Liste der gefundenen Schäden reichte von morschen Holzbalken über rostige Ketten bis zu gefährlichen Fallen durch fehlende, verschlissene oder beschädigte Geräteteile.

Trotz der kleinen Stichprobe - in Berlin gibt es nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung insgesamt 1850 öffentliche Spielplätze - hält Dekra-Landessprecher Detlef Untermann das Ergebnis für repräsentativ. Welche Spielplätze getestet wurden, hält die Prüforganisation aber unter Verschluss. Ihr Fazit: "Die Spielplätze in Berlin sind nach dem Winter in einem bedenklichen Zustand." Dekra-Sicherheitsexperte Frank Hoffmann warnt: "Von schlecht gewarteten Spielplatzgeräten können ernsthafte Gefahren ausgehen."

Wöchentlich wird kontrolliert

Zuständig für die Berliner Spielplätze sind in der Regel die Bezirke. Und die stecken nicht selten in einem Dilemma. Fallen bei den Kontrollen (siehe Info) Mängel auf, muss die Behörde reagieren. Lässt sich der Schaden durch die eigenen Mitarbeiter reparieren, ist das Problem meist schnell behoben. Sind aber große Spielgeräte so beschädigt, dass das nicht möglich ist, bleibt meist nur eines: Abbauen. Und das manchmal auf Dauer. "Wir haben in den letzten Jahren viel an den Spielplätzen getan, aber in Einzelfällen lässt uns die Haushaltslage keine andere Möglichkeit", sagt Stadtrat Hans Panhoff (Grüne) aus Friedrichshain-Kreuzberg. Wie fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens leiden die Grünflächenämter unter chronischer Geldnot. Das führt dazu, dass Straßenbäume meist nicht ersetzt werden können, Blumenbeete braun bleiben - und Spielplätze eben aus Sicherheitsgründen oft weniger Geräte als geplant haben.

Dass auf Kosten der Sicherheit geschlampt wird, weisen die Bezirke zurück. Die Ergebnisse des Dekra hält Jürgen Götte, Inspektionsleiter beim Grünflächenamt Mitte, wegen der kleinen Zahl der geprüften Spielplätze für "statistisch nicht relevant". Bei der Hauptuntersuchung werde bis zum Fundament gebuddelt, jedes tragende Teil, jede Kette, jedes Gelenk untersucht, sagt Götte. Unterschiedliche Fachfirmen seien mit der jährlichen und monatlichen Prüfung beauftragt. Hinzu kämen die wöchentlichen Prüfungen durch eigene Mitarbeiter. Fallen dabei Schäden auf, wird in Mitte je nach Lage repariert, abgerissen und neugebaut oder zeitweilig abgesperrt. Am Jahresende könne das Geld für Ersatzgeräte schon einmal knapp werden, sagt Götte. Dass ganze Anlagen veröden, schließt er aber aus. "Wir hinterlassen keine kahlen Sandlandschaften."

Zu wenig Geld für neue Geräte

Wie beschränkt oft die Möglichkeiten der Bezirke sind, schildert der zuständige Stadtrat aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU). 130 öffentliche Spielplätze gibt es im Bezirk - viele davon sind in die Jahre gekommen. Etwa 1,2 Millionen Euro wären pro Jahr für die fällige Generalüberholung von etwa sechs Anlagen nötig. Im Etat hat Gröhler nicht einmal die Hälfte. Und selbst dieses Geld wurde im vergangenen und im laufenden Jahr gestrichen, um anderswo Haushaltslöcher zu stopfen. Gröhler sieht deshalb auch die Landespolitik in der Pflicht. "Wenn wir eine familienfreundliche Stadt sein wollen, dann müssen die Mittel dafür auch bereitgestellt werden", sagt er.

Weil vieles sich nicht kurzfristig ändern lässt, rät der Dekra gerade im Frühjahr: Augen aufhalten und gefährliche Geräte meiden. Ein Rat, den die meisten Eltern ohnehin beherzigen. Anna ist erst 15 Monate alt, darf bei diesem schönen Wetter aber schon in Begleitung ihrer Mutter Christina Sinnecker (36) auf den Spielplatz am Kollwitzplatz. "Klar gibt es Mängel", sagt die Rechtanwältin. Anna wippt in einem Netz, das über den Sand gespannt ist. "Bei dem Netz beispielsweise gucken zwischen den Stoffbespannungen die Drähte durch, aber da ich meine Tochter nie aus den Augen lasse, glaube ich nicht, dass etwas passiert."