Gratulation

Lieber Herr Janosch, herzlichen Glückwunsch!

Ich muss gestehen: Ich habe die berühmten Geschichten vom Bär und dem kleinen Tiger nicht gelesen, sondern in der "Sendung mit der Maus" gesehen. Und ich bin immer noch begeistert davon, wie die beiden nach Panama aufbrechen und am Ende ihr Zuhause mit ganz anderen Augen sehen.

Auch den Mäusesheriff hab ich nicht gelesen. Aber ich habe viele Nachmittage damit verbracht, mir die Schallplatten vom Mäusesheriff anzuhören. Noch immer gehe ich manchmal mit nach hinten zeigenden Handflächen durch die Stadt, was bei starken Männern ein Zeichen von großer Kraft ist. Und dabei beuge ich den Oberkörper leicht nach vorn, was bei gefährlichen Männern ein Zeichen von besonderer Wachsamkeit ist. Was ich aber gern gelesen hätte, aber wegen meines jungen Alters von knapp vier noch nicht konnte, war: "Das Auto hier heißt Ferdinand". Aber zum Glück hatte ich sehr hilfsbereite Erzieherinnen im Kindergarten. Die mussten mir dieses Buch ständig vorlesen - ob sie wollten oder nicht.

Dann eines Tages war das Buch im Kindergarten verschwunden. Ich nehme an, die Erzieherinnen haben dabei ein wenig nachgeholfen, um mir die Möglichkeit zu geben, auch mal ein anderes Buch anzuschauen. Vielen Dank. Trotzdem war ich am Boden zerstört! Als ich abgeholt wurde, wunderte sich meine Mutter: Es war das erste Mal, dass ich nachmittags heulte. Sonst gab es nur morgens beim Bringen Theater. Die Erzieherinnen rollten mit den Augen und raunten meiner Mutter zu: "Das Buch - wir konnten einfach nicht mehr." Seit diesem Tag nannte ich unser Auto zu Hause Ferdinand - ein weißer Citroën CX, den ich mindestens genauso liebte wie das Buch.

Kurze Zeit nachdem das Buch im Kindergarten verschwunden war, verkaufte mein Vater unseren Ferdinand an meinen Onkel! Ich war fassungslos. Als der Wagen an einem Sonntagnachmittag übergeben werden sollte, traf sich die ganze Familie bei meinem Onkel zu Kaffee und Kuchen. Es war ein sonniger Tag, alle waren fröhlich und beachteten nicht den kleinen, wütenden Ralph, der mit seiner Kuchengabel nach draußen ging, um sich von Ferdinand zu verabschieden. Ich weiß nicht mehr, wie es passieren konnte - ich ging einmal um das Auto herum, während die Zinken der Gabel sich immer tiefer in den Lack von Ferdinand gruben. Die Familie war nicht begeistert. Und trotzdem hatten sie auch Mitleid mit mir. Was soll man als Viereinhalbjähriger auch tun, wenn man zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit einen Ferdinand verliert?

Zum Glück ist mein Onkel ein Mensch mit Humor. Am nächsten Tag schenkte er meinem Vater die Gabel mit den Lackresten und mir eine nagelneue Ausgabe von "Das Auto hier heißt Ferdinand". Mein Interesse an Autos hat in den Jahren nachgelassen, aber das Buch von damals hüte ich immer noch wie einen Schatz. Und dass es diesen Schatz gibt, dafür danke ich Ihnen!

Unser Autor Ralph Caspers moderiert zwei der beliebtesten TV-Kindersendungen, die auch von Erwachsenen gern gesehen werden: "Die Sendung mit der Maus" und "Wissen macht Ah".