Ratgeber

Angst vor Schulden: Sollen wir das Erbe lieber ausschlagen?

In meiner Verwandtschaft ist die Tante meines Vaters gestorben. Sie hatte keinen Ehemann, keine Kinder und nur noch vier nahe Verwandte: nämlich meinen Vater, dessen Cousinen und die Tochter seines Bruders, der auch schon verstorben ist. Nun gibt es kein Testament, und es ist lediglich bekannt, dass die Tante ein Mehrfamilienhaus besessen hat und darüber hinaus noch etwas Geld auf dem Konto.

Von der Bank gab es nur die Auskunft, dass das Vermögen für die Beerdigung ausreicht, aber keine weiteren Informationen. Niemand hat Einsicht, ob etwa an dem Haus Schulden haften. Mein Vater wollte nun den Erbschein beantragen und hat über das Internet erfahren, dass er damit sofort das Erbe antreten würde. Er möchte aber zuvor natürlich wissen, worauf er sich da eigentlich einlässt.

Claudia F., per E-Mail

Die Tante ist vermutlich eine Schwester Ihres Großvaters oder Ihrer Großmutter. Wenn sie kein Testament hinterlassen hat, richtet sich die Erbfolge nach dem Gesetz. Erben sind dann alle Personen, die in gerader Linie von den Eltern der verstorbenen Tante abstammen, also von Ihren Urgroßeltern. Dazu gehört offensichtlich auch Ihr Vater.

Ihr Vater ist ganz automatisch zusammen mit den übrigen Personen Erbe geworden. Dafür ist es gar nicht erforderlich, dass er das Erbe annimmt.

Ihr Vater hätte das Erbe natürlich ausschlagen können. Ihr Vater hat aber richtig ermittelt, dass er das Recht, das Erbe auszuschlagen, verliert, wenn er die Erbschaft angenommen hat. Mit einem Erbscheinantrag erklärt er die Annahme.

Vermutlich ist aber die Frist für die Ausschlagung ohnehin schon abgelaufen. Sie beträgt nur sechs Wochen. Die Frist hat zu dem Zeitpunkt begonnen, als Ihr Vater sicher wusste, dass er Erbe geworden ist.

Ihr Vater hat Sorge, der Nachlass könnte überschuldet sein. Das muss ihm aber keine Sorgen bereiten. Er muss für die Schulden jedenfalls nicht mit seinem persönlichen Vermögen haften, sondern nur mit dem Vermögen, das die Tante hinterlassen hat. Es gibt vielfache Möglichkeiten, die Haftung zu beschränken. Ihrem Vater ist also zu empfehlen, den Erbschein zu beantragen. Die Verantwortung für das Mehrfamilienhaus trägt er ohnehin schon.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Morgen beantwortet an dieser Stelle André Nogossek vom Landeselternausschuss die Fragen unserer Leser zum Thema Schule. Wenn Sie auch eine Frage haben, dann schreiben Sie eine E-Mail an folgende Adresse: familie@morgenpost.de