Bildungsprojekt

Erste Berliner Schülerbischöfe verabschiedet

Nach knapp dreimonatiger Amtszeit sind die ersten vier Berliner Schülerbischöfe mit einem Gottesdienst in der Sophienkirche verabschiedet worden. Wie der Evangelische Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte jetzt mitteilte, wollen die Jugendlichen der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum auch künftig das von ihnen angestoßene Projekt "Schüler bilden Deutschland" weiterführen.

Zum Abschiedsgottesdienst der Schülerbischöfe am Freitag war unter anderem auch der im März aus dem Amt scheidende Berliner Generalsuperintendent und Initiator des Schülerbischof-Projekts, Ralf Meister, vor Ort. Während ihrer Amtszeit besuchten die Schüler unter dem Stichwort "Bildungsarmut" unter anderen den Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), Bildungsstaatssekretärin Claudia Zinke (SPD), Bischof Markus Dröge sowie den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD). Dabei hätten sie viel über Wege zur Linderung der Bildungsarmut bei Kindern diskutiert, hieß es. Langfristig wollen die Jugendlichen der Evangelischen Schule mithilfe der gesammelten Bücher Bibliotheken an Grundschulen aufbauen.

Angetreten waren die vier Jugendlichen am Nikolaustag des vorigen Jahres. In einem Gottesdienst in der St. Marienkirche neben dem Fernsehturm wurde ihnen feierlich ein großes goldfarbenes Kreuz um den Hals gelegt. Es war das erste Mal, dass in Berlin Schülerbischöfe ernannt wurden. Ralf Meister hatte die Idee aus seiner Heimatstadt Hamburg mitgebracht, wo in den 90er-Jahren die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen die Tradition aufgriff. Ursprünglich stammt der Brauch aus dem Mittelalter. Dort wurden Kinder von Klosterschulen für einen Tag zum Bischof gekürt und ihnen die Amtspflichten übertragen. "Ich glaube, dass Jüngere an vielen Stellen mehr sehen und anders sehen als Ältere", sagte Ralf Meister zur Amtseinführung der Schülerbischöfe.

Bevor die vier Berliner Schüler Hanna, Marie, Julius und Arne in der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum von ihren Mitschülern zu "Bischöfen" gewählt wurden, stellten sie erst einmal ihre Ideen vor. Hanna (14) wollte sich zum Beispiel vor allem gegen Diskriminierung starkmachen, und Marie wünschte sich mehr Angebote nach der Schule für sozial benachteiligte Kinder. Bei Julius war der Entschluss, sich zur Wahl zu stellen, dagegen eher spontan. Erst zehn Minuten vorher habe er sich dazu durchgerungen, sagt er, aber in sechs Jahren als Klassensprecher habe er gelernt, sich für Interessen anderer starkzumachen. Alle freuten sich auf die Herausforderungen und neuen Aufgaben, "auch wenn wir natürlich kein neues Gesetz machen, aber man wird auf uns schauen, und wir werden ein Zeichen setzen", sagte Hanna am ersten Tag als Schülerbischöfin voller Zuversicht. Kinderbischöfe gibt es auch in Göttingen, Hamburg und Ottenstedt.