Ratgeber

Unser Eheversprechen war auf Lügen aufgebaut

Ich habe meinen Mann 2010 geheiratet, wir sind seit acht Jahren zusammen. Nach nur vier Monaten Ehe habe ich Informationen bekommen, die belegen, dass mein Mann mich, unsere Familien und Freunde seit Jahren belogen hat: Die nicht bestandene Meisterprüfung hat er geleugnet, das Gesellenprüfungszeugnis gefälscht und als Meisterprüfungszeugnis vorgelegt.

Zur Begründung, nicht zur Meisterfeier zu gehen, täuschte er eine Blutkrebserkrankung vor, die jetzt geheilt sein soll. Sein jetziges Verhalten ist aggressiv und verletzend. Unsere gemeinsame Wohnung haben wir inzwischen gekündigt. Bitte geben Sie mir einen Rat, welche nächsten Schritte Sie für mich sehen. C. L., per E-Mail

Es mag Sie etwas beruhigen, dass Ihr Erlebnis kein Einzelfall ist. Eheschwindler gibt es immer wieder. Das sind Männer oder Frauen, die ihren Partner zu einer Ehe überreden und dabei ein völlig falsches Bild von sich selbst geben. Das kann wirtschaftliche, betrügerische Gründe haben, kann aber auch ganz anders motiviert sein. Jedenfalls muss der oder die Betrogene sich nicht mit der Ehe abfinden. Das Gesetz sieht für solche Fälle die gerichtliche Eheaufhebung vor. Das können Sie beantragen, wenn Sie so stark getäuscht worden sind, dass Sie bei richtiger Kenntnis der Sachlage vernünftigerweise nicht geheiratet hätten. Die Aufhebung einer Ehe ist nicht rückwirkend, sondern führt ähnlich wie eine Scheidung dazu, dass die Ehe aufgelöst wird. Es gibt aber erhebliche Unterschiede zur Scheidung. Sie müssen kein Trennungsjahr abwarten, sondern können den Antrag sofort stellen. Der Partner, der die Täuschung verübt hat, kann aus der aufgehobenen Ehe keinerlei wirtschaftliche Ansprüche herleiten. Sie würden nach der Aufhebung auch nicht als geschieden gelten, sondern als unverheiratet. Für die Eheaufhebung ist dasselbe Familiengericht wie für die Scheidung zuständig. Allerdings müssen Sie natürlich nachweisen können, dass Ihr Partner Sie getäuscht hat - in manchen Fällen ist dies nicht ganz einfach. Für den Aufhebungsantrag müssen Sie einen Rechtsanwalt in Anspruch nehmen, der Sie wegen der Einzelheiten beraten wird.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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