Studie

Zwei von drei Kinderlosen hätten gern Nachwuchs

Der Wunsch nach Kindern scheitert laut einer Forsa-Umfrage oft an finanzieller und beruflicher Unsicherheit sowie am fehlenden Partner. Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Ende des Jahres 2010 mehr als tausend 25- bis 45-Jährige ohne leibliche Kinder.

Dabei äußerten zwei Drittel, dass sie "auf jeden Fall" oder "vielleicht" Kinder haben wollten. Bei den Personen bis 29 Jahren waren es sogar 86 Prozent, bei den 30- bis 34-Jährigen immer noch 74 Prozent. Demnach ist laut Studie das "Lebensmodell Familie in Deutschland weiterhin attraktiv". Allerdings entschieden sich auch mehr Männer und Frauen als früher bewusst gegen Kinder.

Der Kinderwunsch nimmt der von der Zeitschrift "Eltern" in Auftrag gegebenen Erhebung zufolge aber bei den bislang Kinderlosen mit zunehmendem Alter deutlich ab. Dabei ist das Bedürfnis nach Familie bei Männern größer. Die Hälfte der Frauen bis 34 Jahren würde es aber begrüßen, wenn sie trotz derzeitiger anderweitiger Lebensplanungen "plötzlich schwanger" würden.

Auch regional gibt es Unterschiede: In Ostdeutschland steht die Familie höher im Kurs. Hier wünschen sich 72 Prozent der Befragten Kinder, im Westen sind es 66 Prozent.

Als Gründe für die Verschiebung des Kinderwunsches sagten 63 Prozent der Befragten, sie wollten zunächst eine solide finanzielle Basis schaffen, während für knapp die Hälfte Ausbildung oder Beruf Vorrang hatten. Bei 44 Prozent fehlte schlicht der passende Partner. Das galt gerade für Männer: Bei den über 40-Jährigen gaben dies zwei von drei an. Die Wissenschaftlerin Kerstin Ruckdeschel vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden verwies bei der Vorstellung der Studie darauf, dass es vor allem in Ostdeutschland einen klaren "Männerüberschuss" gebe.

Jene, die sich bewusst gegen ein Kind entschieden, nannten zumeist die "Lebenszufriedenheit" ohne Kind, sowie die Unabhängigkeit oder Zukunftsängste als Motiv. Das galt laut Studie besonders bei Personen bis 34 Jahren. Bei den Frauen spielte das fortgeschrittene Alter für die Absage an ein Kind eine herausragende Rolle.

Rund drei Viertel der Männer und knapp die Hälfte der Frauen würden sich umstimmen lassen, wenn sie nicht mit finanziellen Sorgen rechnen müssten. Als weitere Bedingungen nannte ein Drittel aus dieser Gruppe verlässliche Kinderbetreuung und einen liebevollen Partner sowie familienfreundliche Arbeitszeiten.

Zu den allgemeinen Gründen für die niedrige Geburtenrate in Deutschland befragt, nannten vier von fünf Befragten neben der finanziellen Unsicherheit und der Sorge um den Arbeitsplatz, dass die Gesellschaft Leistungen im Beruf höher bewerte als Leistungen in der Familie. Mehr als zwei Drittel nannte zudem die wachsende Instabilität von Partnerschaften und Ehe als Grund für den Geburtenrückgang. . Und immerhin jeder Dritte denkt, dass viele Menschen zu hohe Ansprüche an sich als Eltern haben und alles perfekt machen wollen, und dass Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder allein gelassen werden.