Sprechstunde

Wie wird mein Sohn (4) bloß seinen Husten wieder los?

Sandra B. aus Lankwitz fragt: Mein Sohn (4) wird in diesem Jahr einfach diesen Reizhusten nicht los. Ich habe schon alle möglichen Hustensäfte probiert, um den Schleim zu lösen. Aber ich habe das Gefühl, die helfen gar nicht. Nachts, wenn er liegt, ist es besonders schlimm. Was kann man denn da noch machen?

Die "üblichen Verdächtigen", die weithin bekannten Atemwegsviren, sind von November bis Ende März unterwegs: Influenza mit allen Subgruppen, Rhino- und RS-Viren. Sie stehen in nationalen und internationalen Hitlisten der häufigsten Erreger von Atemwegsentzündungen ganz oben. Durch Niesen und Husten werden sie von einem Menschen zum anderen übertragen, bevorzugt da, wo auf engem Raum viele zusammen spielen, lernen oder Veranstaltungen besuchen. Auch die Übertragung von Hand zu Hand, von Mund zu Mund oder indirekt über Türklinken ist immer wieder beobachtet und beschrieben worden. Irgendwie scheint keiner sicher vor den Infektionsketten, die derzeit auch ganz Berlin prägen, zu sein.

Atemwegsviren vermehren sich in Zellen der Nasen- und Bronchialschleimhaut und zerstören dabei vorübergehend das Epithel der Bronchien. Es entstehen Schlaglöcher, wie nach langem Frost auf Berliner Straßen. Dies wiederum bewirkt einen verstärkten Reiz der sensiblen Nervenfasern in den Atemwegen, die Hustenreize vermitteln. Der üblicherweise gut organisierte Transport des Bronchialschleims ist ebenfalls schwer gestört, da es durch fehlende Flimmerhärchen auf der Bronchialschleimhaut zu Schleimstau mit dem Risiko einer Einnistung von Bakterien kommt.

Die Behandlung der Beschwerden ist schwieriger, als die Fernsehwerbung uns glauben machen will. Die wohlschmeckendsten Hustensäfte nützen eher dem Hersteller als dem betroffenen Kind. Der quälende nächtliche Husten, der mitunter ganze Familien nervt, kann am ehesten durch codeinhaltige Präparate in der Nacht gedämpft werden, tagsüber mag es erleichternd sein, eine Feuchtinhalation mit einer Sole-Lösung zusammen mit bronchial erweiternden Medikamenten anzuwenden.

Natürlich ist es wichtig, einen erfahrenen Kinderarzt zur Seite zu haben, gehen doch viele Krankheiten auch mit Husten als Hauptmerkmal einher. Eine Lungenentzündung und eine bakterielle Infektion sollten ausgeschlossen werden, Asthma oder andere eher chronische Veränderungen der Atemwege dürfen nicht übersehen werden.

Letztlich bleibt bei aller Unzufriedenheit und dem elterlichen Frust um die Hilflosigkeit der Medizin die Hoffnung auf den "natürlichen Verlauf der Krankheit": Es ist sehr gut untersucht, dass die Probleme, die vor allem im Kleinkindalter der Zwei- bis Fünfjährigen hohe Anforderungen an das Nervenkostüm vieler Väter und Mütter darstellen, in aller Regel nur eine Episode bedeuten. Da mag es hilfreich sein, mal über einige Wochen Kinder aus Kita oder Hort zu beurlauben und zu Hause die Gelegenheit zum Auskurieren zu geben.

Wenn der Kinderarzt wirklich nur eine Virusbronchitis diagnostiziert hat, ist Geduld erforderlich. Nach spätestens zwei bis drei Wochen wird Ruhe einkehren, der Husten in der Nacht wird abnehmen, Ihr Sohn wird tagsüber wieder lebhafter, fröhlicher und belastbarer. Viele von uns Eltern sind durch die gleichen Entwicklungsphasen gegangen, fast alle von uns sind mit den Jahren widerstandsfähiger und gesünder geworden. Das nächste Frühjahr steht vor der Tür, und wir freuen uns auf eine Zeit, in der die Atemwegsviren sich zurückziehen.

Ulrich Wahn Facharzt für Kindermedizin und Allergologie