Ratgeber

Wie bekomme ich meinen Sohn vom Fernseher weg?

Mein siebenjähriger Sohn Matthias schaut nach zu lange beziehungsweise zu häufig fern. Wir hatten vor längerer Zeit vereinbart, dass er am Nachmittag nach den Schularbeiten und vor dem gemeinsamen Abendessen etwa eine Stunde lang fernsehen darf. In letzter Zeit habe ich es immer schwerer, ihn wieder vom Fernsehgerät wegzubekommen.

Er sagt dann: "Nur noch diese Sendung zu Ende sehen, dann schalte ich aus!" Wenn ich nicht aufpasse, ist er aber nach zehn Minuten schon dabei, die nächste Sendung zu verfolgen. Was kann ich tun? Lena S., per Email

Offensichtlich müssen Sie mit Matthias die vor längerer Zeit getroffene Regelung noch einmal ernsthaft neu vereinbaren, da sich in der Zwischenzeit weder er noch Sie eindeutig an die ursprüngliche Verabredung halten. Eine solche Absprache funktioniert aber nur dann, wenn sich alle Beteiligten strikt danach richten. Vielleicht können Sie die alte Regelung bei dieser Gelegenheit gleich modifizieren: Möglicherweise ist es ja sinnvoller, die zu vereinbarenden Fernsehzeiten an konkreten Sendungen zu orientieren. Hat Matthias in der fraglichen Zeitspanne Lieblingssendungen? Durch das Aussuchen bestimmter, für ihn besonders gut geeigneter Sendungen können Sie Matthias gleichzeitig schrittweise zu einem bewussteren Fernsehkonsum hinführen. Da Kinder im Alter von Matthias nach dem Anschauen einer Sendung einige Zeit brauchen, um das Gesehene zu verarbeiten, sollten Sie eine Pufferzeit vor der nächsten Aktivität einplanen oder - falls Sie die Möglichkeit haben - nach der Sendung mit ihm über diese sprechen. Kinder nehmen Filme und Fernsehsendungen und die durch sie vermittelten Eindrücke anders wahr und verarbeiten sie anders als Erwachsene. Deshalb ist es oft eine spannende Sache, sich mit Kindern nach dem gemeinsamen Ansehen einer Sendung über die unterschiedlichen Wahrnehmungen und das jeweilige Verständnis dessen, was sie gesehen und gehört haben, auszutauschen. Dabei können Kinder und Erwachsene eine ganze Menge voneinander lernen!

Matthias orientiert sich bei seinem eigenen Fernsehkonsum sehr stark an Ihnen - Eltern haben ja in ganz vielen Bereichen eine ganz wichtige Vorbildfunktion für ihre Kinder. Je deutlicher Matthias mitbekommt, dass auch Sie sich möglichst bewusst Ihre Fernsehsendungen aussuchen, desto stärker wird sich das positiv auf sein eigenes Fernsehverhalten auswirken.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de