Sprechstunde

Soll ich meine Tochter (2) gegen Meningokokken impfen?

Caroline H. aus Schöneberg fragt: Die Kinderärztin hat mich darauf angesprochen, meine kleine Tochter (2) gegen Menigokokken zu impfen. Ich war überrascht, da ich diese Impfung gar nicht kannte. Bei ihrem großen Bruder (8) bin ich das nie gefragt worden. Ist das eine neue Impfung? Und ist sie sinnvoll?

Meningokokken sind Bakterien, die schwerste Entzündungen auslösen können. Gefürchtet ist vor allem die Meninigokokken-Meningitis, eine Hirnhautentzündung, an der auch heute noch 10 Prozent der Erkrankten sterben, wird sie zu spät erkannt und behandelt enden sogar bis zu 50 Prozent der Erkrankungen tödlich.

Etwa 70 Prozent aller Erkrankungen mit Meningokokken betreffen Kinder und Jugendliche, dabei sind besonders Kleinkinder bis zum 3. Lebensjahr und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren gefährdet.

Die gefährlichen Meningokokken-Bakterien werden in die Gruppen A, B, C, W und Y unterteilt. Erkrankungen der Gruppe A treten meistens in tropischen Gebieten auf, während in unserem Land eher die Untergruppen B (über 60 Prozent) und C (über 20 Prozent) vorkommen. Eine Impfung gegen diese Bakterien ist außerordentlich sinnvoll und wird auch seit Juli 2006 von der ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen.

Es gibt einen sogenannten Konjugatimpfstoff, bei dem der eigentliche Impfstoff an einen Trägereiweiß gebunden ist und einen unkonjugierten Impfstoff, bei dem das Trägerprotein fehlt. Konjugierte Impfstoffe stimulieren deutlich besser und haben insbesondere für kleine Kinder eine große Bedeutung; Unkonjugierte Impfstoffe wirken bei Kindern unter zwei Jahren praktisch nicht.

Die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfung ist ein konjugierter Impfstoff gegen Typ C und soll für alle Kinder im zweiten Lebensjahr zum frühestmöglichen Zeitpunkt durchgeführt werden. Gegen Meningokokken der Gruppe B gibt es zumindest zum heutigen Zeitpunkt leider noch keinen Impfstoff.

Vom zweiten Geburtstag an kann dann auch ein unkonjugierter Impfstoff gegen Meningokokken der Gruppe A, C, W 135 und Y verwendet werden, im Falle eines erhöhten Risikos (zum Beispiel bei immunschwache Patienten oder Reisen in Gebiete mit häufigem Vorkommen etc.) wird die Durchführung beider Impfungen angeraten. Ein Mindestabstand von zwei Monaten sollte dabei aber eingehalten werden.

Neuerdings gibt es auch einen besser wirksamen konjugierten Impfstoff gegen die genannten vier verschiedenen Meningokokken-Typen, mit einer Zulassung auch für Kleinkinder wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Die Menigokokken-Impfung ist ein Totimpfstoff. Nach der Impfung bildet der Körper Abwehrstoffe gegen die Bakterien und kann sich dann gegen die geimpften Meningokokken-Typen wehren. Es ist eine einzige Impfung ausreichend, ein Impfschutz besteht in der Regel zwei bis drei Wochen später.

Zusammenfassend lässt sich auf jeden Fall sagen: Eine Meningokokken-Impfung ist außerordentlich sinnvoll!

Mein Rat an Sie wäre deshalb, nicht nur Ihre kleine Tochter, sondern unbedingt auch noch den großen Bruder impfen zu lassen.

Beatrix Schmidt Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin