Bildung

Neue Privatschule will Alternative für Hochbegabte bieten

Zum neuen Schuljahr geht eine Privatschule an den Start, die als erstes Gymnasium einen konsequenten Praxisbezug umsetzen will. Bisher waren sogenannte Praxisklassen, die an realen Aufgaben in der Wirtschaft lernen, eher Haupt- und Realschulen vorbehalten. Doch das soll sich ändern.

An den neuen Sekundarschulen sollen alle Schüler, auch jene die das Abitur anstreben, in dem neuen Fach Wirtschaft Arbeit und Technik Bekanntschaft mit dem Berufsleben machen. Allein die Gymnasien sind von dem Reformprozess ausgenommen, obwohl die Universitäten erst jüngst auch hier dringend einen Kursus Studium und Berufswahl anmahnten. Denn häufig würden die Abiturienten ohne konkrete Vorstellungen an die Universitäten kommen.

Das geplante Galileo-Gymnasium in freier Trägerschaft geht noch einen Schritt weiter. Der Praxisbezug ist nicht nur auf ein Fach beschränkt, sondern soll sich durch alle Bereiche ziehen. "Für Schüler ist es wenig motivierend, schlicht Arbeitsblätter abzuarbeiten. Sie suchen die Herausforderungen an echten Aufgaben, die das Leben stellt", sagt Hartmut Fischer, Schulgründer und Geschäftsführer des Trägers Galileo Schools for Life UG. Fischer ist selbst Vater von drei Kindern und arbeitet als Unternehmensberater in einem großen Konzern. An seinen eigenen Kindern habe er festgestellt, wie demotivierend Schule oft sei. Immer wieder habe er seinen Söhnen erklären müssen, dass sie das Schulwissen schon irgendwann gebrauchen könnten.

"Im Lehrplan stehen ja keinen unnützen Dinge, warum soll man diese nicht gleich an den praktischen Beispielen lernen", sagt Fischer. In einem Architekturprojekt könnten die Schüler zum Beispiel Design, Mathematik, gesellschaftliche Rechtsfragen und Präsentationstechniken durchspielen. Gleichzeitig würden sie dadurch an verschiedene Berufe herangeführt. Berlin biete dafür mit seinen vielen politischen Institutionen, sozialen Einrichtungen und Firmen ideale Möglichkeiten. Zum Konzept der Schule gehöre es, immer wieder Fachleute von außen in den Unterricht einzubeziehen. Die Unterrichtsmethoden sollen reformpädagogisch sein, das heißt, der natürliche Erkenntnisdrang von Schülern soll unterstützt und genutzt werden.

Die Klassen sollen zu etwa einem Drittel aus hochbegabten Schülern bestehen. Unterrichtet wird in altersgemischten Gruppen von Fünft- und Sechstklässlern sowie Siebt- und Achtklässlern. "Durch die Mischung können sich Schüler, die in bestimmten Bereichen schneller sind, an den Älteren orientieren und trotzdem mit Gleichaltrigen in einer Gruppe bleiben", sagt Fischer. Das Überspringen einer Klasse bleibt ihnen somit erspart. Die Schüler sollen innerhalb der Projekte individuell zugeschnittene Aufgaben erhalten und fächerübergreifend lernen.

Derzeit ist die Schule noch auf der Suche nach geeigneten Räumen. Verhandlungen dazu gibt es nach Angaben des Trägers in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick. In jedem Fall soll der Standort verkehrsgünstig zu erreichen sein. Das Schulgeld wird mit zirka 700 Euro monatlich vergleichsweise hoch sein, denn die Schule erhält in den ersten drei Jahren, wie jede Neugründung eines neuen Trägers, zunächst keine staatliche Unterstützung.

Interessenten können sich am heute um 19 Uhr in der Urania (An der Urania 17) über das neue Konzept informieren oder unter www.galileo-gymnasium.de