Ratgeber

Hat die Freundin meines Mannes mehr Rechte als ich?

Ich habe herausgefunden, dass mein Mann eine Freundin hat. Weil die Freundin ein Kind von ihm bekommen hat, ist er vor Kurzem ausgezogen. Ich sitze jetzt ohne Geld da, weil mein Mann sagt, er habe sich beraten lassen. Er müsse zuerst seine Freundin und das Kind unterstützen. Für mich sei dann nichts mehr übrig. Kann es sein, dass Ehebruch so belohnt wird, dass die Freundin bessere Rechte hat als ich? Anne F., per E-Mail

Ihr Mann ist möglicherweise richtig beraten wurden. Dabei geht es aber nicht darum, dass die Freundin die besseren Rechte hat als die Ehefrau. Es geht vielmehr um den Schutz des Kindes, das in der neuen Beziehung geboren worden ist.

Die Rechte von Kindern, die außerhalb einer Ehe geboren werden, sind durch mehrere Gesetzesänderungen in den vergangenen Jahren gestärkt worden. Das wirkt sich auch auf die Mutter des Kindes aus. Jedes Kind soll während der ersten drei Jahre seines Lebens dieselbe Chance haben, von seiner Mutter betreut zu werden, ob sie nun mit dem Vater verheiratet ist oder nicht. Um das zu ermöglichen, haben unverheiratete Mütter gegenüber dem Vater während dieser ersten drei Jahre denselben Unterhaltsanspruch, den auch eine verheiratete oder geschiedene Mutter hätte. Ein Unterschied besteht nur bei der Höhe des Unterhaltsanspruches. Die nicht verheiratete Mutter kann als Unterhalt so viel verlangen, wie sie verdient hatte, bevor sie ihren Beruf wegen der Kinderbetreuung aufgegeben hat. Bei der geschiedenen oder getrennten Frau wirkt sich auch noch das Einkommen des Mannes auf die Unterhaltshöhe aus. Als Unterhalt muss der Mann die Hälfte von dem bezahlen, was er mehr als die Frau verdient (Das ist nur das Prinzip. Im Detail ist die Rechnung viel komplizierter).

Ihr Mann hat sich von Ihnen getrennt. Er muss deshalb Unterhalt an Sie zahlen, wenn Sie weniger verdienen als er. Das ist keine Bestrafung für den Ehebruch, sondern soll Ihnen helfen, Ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Dieser Unterhaltsanspruch endet natürlich nicht deshalb, weil Ihr Mann eine neue Beziehung hat. Es kann aber sein, dass sein Einkommen nicht ausreicht, um sein Kind, die beiden Frauen und auch noch sich selbst zu unterhalten. Für solche Fälle hat das Gesetz eine Reihenfolge vorgeschrieben, nach der das Einkommen zu verteilen ist. Die Reihenfolge richtet sich nach der Schutzbedürftigkeit. In erster Linie ist das Kind zu versorgen. Ihrem Mann muss für seinen eigenen Bedarf auch ein Mindestbetrag bleiben, das sind 1050 Euro monatlich. Der bleibende Betrag ist auf die beiden Frauen zu verteilen. Dabei richtet sich die Rangfolge auch nach der Schutzbedürftigkeit, nicht etwa nach besseren Rechten. Möglicherweise hat nur die Freundin ein kleines Kind zu betreuen, Sie aber nicht. In einem solchen Fall ist vorrangig die Mutter zu versorgen, und es kann passieren, dass Sie beim Unterhalt leer ausgehen.

Auch wenn Ihr Unterhaltsanspruch nicht ganz entfällt, müssen Sie jedenfalls mit einer deutlichen Einschränkung rechnen. Vor der Geburt des Kindes ist das Einkommen Ihres Mannes zur Berechnung des Unterhaltes zwischen Ihnen beiden aufgeteilt worden. Nach der Geburt nehmen zwei weitere Personen an der Aufteilung teil, das Kind und dessen Mutter. Das führt zwangsläufig dazu, dass Ihr Anspruch sinkt.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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