Charlottenburg

Erstes Mehrgenerationenhaus für Schwule und Lesben entsteht

Erster Spatenstich an der Häuserzeile Niebuhrstraße 59/60 in Charlottenburg: Dort beginnt am heutigen Mittwoch der Bau des ersten Mehrgenerationenhauses in Deutschland für homosexuelle Männer und Frauen. Es wird den Namen "Lebensort Vielfalt" tragen.

Die Schwulenberatung Berlin und ihr Geschäftsführer Marcel de Groot haben das Projekt seit 2006 geplant. Die sechsgeschossige Immobilie aus den 30er-Jahren, in der zuletzt eine Tagesstätte für Kinder und Jugendliche untergebracht war, wurde per Erbbaurechtvertrag vom Land Berlin erworben. Der Umbau soll etwa fünf Millionen Euro kosten. Die Lotto-Stiftung will das Vorhaben mit 2,7 Millionen Euro unterstützen. Zwei Millionen Euro wurden dem Verein "Psychosoziales Zentrum für Schwule" bereits bei der letzten Ausschüttung im Dezember bewilligt. "Ohne die Lotto-Stiftung wäre das Projekt wohl immer ein Traum geblieben", sagt de Groot.

Die künftige barrierefreie "Regenbogenvilla" in bester Charlottenburger Wohnlage soll 24 Ein- oder Zweizimmer-Wohnungen haben, die zwischen 33 und 100 Quadratmeter groß sind. Im Dachgeschoss entstehen fünf Maisonette-Wohnungen. Dort sollen viele Ältere wohnen - aber natürlich auch jüngere Schwule und Lesben. Ende 2011 sollen die ersten Bewohner einziehen.

Von Anfang an war im zweiten Stock eine WG für acht demenzkranke schwule Senioren vorgesehen. Ihre Rund-um-die-Uhr-Betreuung soll von einem Pflegedienst und ehrenamtlichen Mitarbeitern übernommen werden. "Die älteren und jüngeren Mieter des Hauses werden bestimmt voneinander profitieren", sagt de Groot. Der "Lebensort Vielfalt" soll auch zum Treffpunkt werden. Im Parterre wird es eine Bibliothek und das Café "Wilde Oscar" geben. Als Mitarbeiter sind auch schwule Männer mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen erwünscht.

Bei einem Tag der offenen Tür vor einigen Wochen wurde das Wohnprojekt von Nachbarn durchweg positiv aufgenommen. Charlottenburg-Wilmersdorfs Sozial- und Gesundheits-Stadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) sagte: "Das Mehrgenerationenhaus trägt Modellcharakter für Deutschland und zeigt, wie bezirkliche Immobilien sinnvoll genutzt werden können." Der Festakt zum Baustart am heutigen Mittwoch beginnt um 12 Uhr.