Väter

Babys größter Fan

Fionas Augenfarbe wechselt. Meist braun, wie meine, sagt die Mutter. Meist eher blau, wie meine, sagt der Vater.

Aber immer hat sie die schönsten Augen der Welt. Fiona Mathilda kam gerade auf die Welt, mit 2950 Gramm auf 47 Zentimetern. Sie ist das erste Kind von Dunja Bergmann und Stefan Reith (32), und von Geburt an ein Star.

Marie Karolin auch. Sie wurde am selben Tag wie Fiona geboren. Jetzt trägt ihr Vater sie behutsam durch die Gänge der Frauenklinik des St. Joseph-Krankenhauses in Tempelhof. Meist kann Bernd Fischer (37) den Blick nicht vom Gesicht seiner Tochter wenden. Aber hin und wieder werfen die Väter hier einen schnellen Seitenblick, um festzustellen, was denn die anderen Männer so bekommen haben. Dann schauen sie wieder auf das Kleine in ihren Armen, in ihrer Überzeugung bestätigt: Kein anderes Baby-Modell ist annähernd so perfekt wie das eigene.

"Es ist oft hart für die Männer"

Die beiden Väter haben für die Zeit der Geburt ebenfalls im Krankenhaus eingecheckt, teilen sich mit ihren Frauen das Zimmer. Weit mehr als 80 Prozent der Väter in Deutschland sind bei der Geburt ihres Kindes dabei, so Dr. Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Frauenklinik am St. Josef: "Es ist oft hart für die Männer. Ihre Liebste leidet, und sie können nichts tun."

30 Stunden dauerte es, bis Fiona auf die Welt kam. Ihr Vater hat sie angefeuert, mit dem Kosenamen, den die Eltern seit dem dritten Schwangerschaftsmonat für sie hatten: Kibibi - das ist Kisuaheli und heißt "kleine Lady". Beide Eltern haben die Sprache gelernt, weil sie im Frühjahr mit Kibibi nach Tansania umziehen werden und dort für das Konrad-Adenauer-Institut arbeiten. Sie haben den Umzug perfekt geplant, Stefan wird schon Ende Januar reisen und alles vorbereiten, und sich perfekt auf die Geburt vorbereitet. Aber dann sagte, nach zwanzig Stunden Schmerzen, Danja hilflos: "Stefan, mach, dass das aufhört." Stefan Reith: "Da bist du als Mann darauf geprägt, es gibt ein Problem - du denkst nach - lieferst die Lösung. Und plötzlich kannst du gar nichts tun. Das war der schlimmste Moment für mich."

Dr. Abou-Dakn hat erlebt, wie Väter in solchen Momenten nach einem Kaiserschnitt schrien, Ärzte, Schwestern, Hebamme bedrohten: "Da setzt der Verteidigungsreflex ein. Sie schreien 'Holen Sie einen Arzt', obwohl der da ist, sie wollen etwas tun." Sie haben am St. Joseph inzwischen Väterkurse, vier Stunden am Wochenende, um den Männern ihre Situation klar zu machen: "Die meisten werdenden Vätern nehmen an Geburtsvorbereitungskursen teil. Aber an denen für Frauen, wo man lernt, zu hecheln und zu pressen. Der Vater muss aber wissen, dass er seine wichtigste Aufgabe erfüllt, wenn er da ist und Kraft und Beistand gibt."

"Ein bisschen unfair ist das aber jetzt", sagt Fionas Mutter Dunja zu Maries Mutter Melanie-Janine, und lacht: "Wir hatten die ganze Arbeit - und jetzt geht es nur um die Männer!" Vielleicht aber auch nicht ungerecht: Denn die Väter waren ja ebenfalls schwanger. Der Testosteron-Spiegel sinkt, bis zu einem Drittel weniger des Männlichkeits-Hormons haben Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin im Blut. Sind die Männer dadurch auch rührseliger, weinen häufiger? Dr. Abou-Dakn: "Natürlich, das kommt vor. Außerdem wird der Oxytocin-Level erhöht, umgangssprachlich das Liebeshormon, um den Vater auf die Sorge fürs Kind vorzubereiten. Männer haben ja sogar Wochenbett-Depressionen! Wenn ein Mann sich nach der Geburt seines Kindes dauerhaft traurig und hilflos fühlt, sollte er Hilfe beim Arzt suchen."

Es gibt Studien, in denen Wissenschaftler nachgewiesen haben, dass der Mann während der Schwangerschaft zugenommen hat, aus Solidarität. Allerdings untersuchten die Forscher Liszt-Äffchen. Bernd sagt auf die Frage, ob sein Gewicht gestiegen sei: "Och..." Seine Frau lacht und tätschelt seinen Bauch: "Na, ein bisschen schon."

Die beiden haben eine Tochter von zweieinhalb Jahren und konnten seit ihrer Geburt keine Nacht durchschlafen. Da haben sie sich überlegt, erklären sie, gleich ein zweites Kind zu bekommen - bevor man sich wieder an den Luxus von acht Stunden Schlaf ohne Unterbrechung gewöhnt hat. Bernd hüllt Marie fester in ihre Decke. Sie gähnt, schaut ihm noch einmal ins Gesicht, und schläft zufrieden ein.

Männer könnten ebenso gute Mütter sein wie Frauen, sagt Dr. Abou-Dakn, nach einer kurzen Pause zum Nachdenken. Die Liebe, die Fürsorge, sogar die Veränderung der Hormone - ist alles da: "Von der Obhut her können sie eine Mutter ersetzen. Nur können sie natürlich, die biologische Begrenzung, nicht stillen. Beim Stillen werden aber durch den Hautkontakt auch viele Hormone ausgeschüttet, das fehlt natürlich bei Männern."

Das größte Wunder

Nach der Geburt von Kibibi wurden Danja und Stefan vom Krankenhaus eine Stunde allein gelassen, noch jetzt sind sie dankbar für diese Momente. Das Baby lag auf dem Bauch der Mutter und schien ganz zufrieden mit der neuen Situation und der Wärme. Und Stefan stand davor und hatte keine Worte mehr: "Bei ihrem ersten Schrei, da sind einfach Zentnerlasten von mir abgefallen, weil es vorbei war." Da hat er noch nur an Danja gedacht. Dann war da Kibibi: "Ich kann gar nicht sagen, wie das war, sie zu sehen. Und das erste Mal im Arm zu halten. Umwerfend, absolut unglaublich, das kann man nicht mit Worten ausdrücken."

Inzwischen sind Fiona und Marie schon einige Tage alt. Die Väter schwärmen, für Stefan ist es das größte Wunder: "Wie ihr Blick von Tag zu Tag wacher wird, und sie immer mehr sieht und versteht." Dass so winzige Hände schon entschieden nach jedem Finger greifen, und rülpsen können die beiden auch schon gut.

Und schlafen. Marie schläft ganz viel, sagt der stolze Vater voll Bewunderung. Sie ist so ruhig. Man könnte die Zeit nutzen, um selber zu schlafen. Oder aber, um vor dem Babybettchen zu sitzen und das schlafende Kind anzuschauen.

Fiona nimmt auch Rücksicht auf ihre Eltern, drei Stunden Schlaf ununterbrochen sind drin. Manchmal wimmert sie, sagt der Vater: "Aber dann reden wir mit ihr, nehmen sie auf und in unser Bett, dann wird sie sofort wieder ruhig, wenn sie die Körperwärme der Eltern fühlt."

Eben ein kleiner Star. Einer von vielen, im St. Joseph in Tempelhof haben sich in den vergangenen fünf Jahren die Geburtszahlen mehr als verdoppelt. 2010 haben sie noch nicht statistisch ausgewertet, aber es werden mehr als 3000 Babys sein, die hier zum ersten Mal geschrien haben.

Die Väter halten sich dabei sehr gut. Dr. Abou-Dakn hatte bisher einen Fall bei einer Geburt, wo er den anwesenden Mann diplomatisch aus dem Kreißsaal leiten musste, weil Schwestern und Ärzte nicht mehr arbeiten konnten. Er hat ihn auf einen Kaffee in sein Büro gebeten.

Der Mann war der werdende Großvater, der die Rolle des Vaters übernommen hatte. Und außerdem Professor an einer medizinischen Fakultät - er war Facharzt für Gynäkologie.