Kinderbücher

Theologin: "Pippi Langstrumpf" ist rassistisch

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Die evangelische Theologin Eske Wollrad hat einen weit verbreiten und oftmals versteckten Rassismus in Kinderbüchern kritisiert. "Ein klassisches Beispiel dafür ist 'Pippi Langstrumpf' von Astrid Lindgren", sagte sie beim Studientag der Norddeutschen Mission in Bremen.

Obwohl jedes dritte Kind in Deutschland aus einer Zuwandererfamilie stamme, lernten Mädchen und Jungen in Büchern selten, wie mit Vielfalt umgegangen werden könne.

"Astrid Lindgren erklärt Pippis Hang zur Lüge mit ihrem langen Aufenthalt in Afrika und ihre Verrücktheiten mit ihrer Nähe zu den 'Negern'", sagte die Theologin. Im Taka-Tuka-Land verneigten sich schwarze Kinder mehrfach unterwürfig. In anderen Büchern zeigten Beispiele aus der Tierwelt wie "Elmar, der bunte Elefant" von David McKee oder "Das hässliche Entlein" von Hans Christian Andersen, dass Andersartige nicht dazu gehörten: "Das ist Gift der frühen Jahre", meint sie. Auf das Argument, dass Kinder gerade durch diese Geschichten lernen könnten, wie sehr andere unter Hänseleien litten, ging Wollrad nicht ein.

Franzobels "Moni und der Monsteraffe" (2008) ist für Wollrad ein weiteres abschreckendes Beispiel: "Die weiße Heldin reist zu grimmigen Gestalten, die braune Haut haben und Knochen im Haar tragen, 'Uga uga' grölen, Menschen fressen und am Suppentopf einen 'Fressi-Fressi-Tanz' aufführen - lauter Bilder aus dem kolonialen Rassismus." Das werte Hautfarben ab, findet die Theologin und sagt: "Das beschädigt die Integrität aller Kinder, auch die der weißen."

Versteckten Rassismus sieht Wollrad auch dort, wo die "heile Kinderwelt" als rein weiß beschrieben wird: "Das hat doch nichts mehr mit unserer multikulturellen Gesellschaft zu tun." Wenn Kinder aus Migrantenfamilien überhaupt vorkämen, dann im Hintergrund. "Die Hauptdarsteller sind fast immer weiß."

"Positive Beispiele haben Seltenheitswert", beklagte die Expertin. Dazu gehört für sie das Bilderbuch "Ein Hoch auf Oskar", das 2006 aus dem Englischen übersetzt wurde. "Die Bilder zeigen eine schwarze Mutter, einen weißen Vater und zwei dunkelhäutige Kinder, ohne das Schwarzsein zu skandalisieren." Ein schönes Beispiel ist für sie auch Tomek Bogackis "Katz und Maus" aus dem Jahr 1997, in dem es um eine Freundschaft zwischen unterschiedlichen Tierkindern geht. "Da wird Neugier aufeinander geweckt."

Wollrad rät Eltern, rassistische Passagen nicht totzuschweigen, sondern mit den Kindern darüber zu reden. Sie ermutigt dazu, in den Büchern beispielsweise Figuren bunt anzumalen oder Fotos von Kindern mit anderen Hautfarben einzukleben.

Mittlerweile habe sich auch bei "Pippi Langstrumpf" etwas geändert. In den neueren deutschen Ausgaben des Kinderbuch-Klassikers sei aus Pippis Vater, dem früheren "Negerkönig", ein "Südseekönig" geworden, erläuterte die Theologin. Das reicht ihr aber noch nicht, denn: "Die schwarzen Kinder verbeugen sich immer noch."

( epd )