Projekt "Neuköllner Talente"

Ein Pate für alle Fälle

Der achtjährige Kerem aus Neukölln hat seit April eine Patin: die 39-jährige Ärztin Maki aus Tiergarten. Sie gehen gemeinsam ins Theater oder machen Spaziergänge. Einmal nahm Maki ihr Patenkind mit nach Hause und spielte ihm ein Klavierstück vor.

- Kerem probierte zum ersten Mal aus, wie man musiziert. Als die beiden das nächste Mal ins Theater gingen, lief Kerem nach der Vorstellung auf die Bühne. Dort stand ein Flügel. Kerem setzte sich hin und spielte das Klavierstück aus dem Gedächtnis nach.

Maki und Kerem haben sich auf einem Spieleabend der Bürgerstiftung Neukölln kennen gelernt. Seit Januar vermittelt die Stiftung in dem Projekt "Neuköllner Talente" Patenschaften zwischen Neuköllner Kindern im Grundschulalter (8-12 Jahre) und ehrenamtlichen Paten.

"Jedes Kind hat eine Begabung, ob in musischer, naturwissenschaftlicher oder handwerklicher Hinsicht", sagt Projektleiterin Idil Efe. Anliegen des Projekts ist es, Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien zu fördern. 27 Patenschaften hat die Stiftung vermittelt, 27 Kinder warten noch auf einen Paten oder eine Patin.

Von der Erfahrung profitierten die Kinder unheimlich, sagt Idil Efe. Die elfjährige Gizem etwa habe durch die Patenschaft an Selbstvertrauen gewonnen, ihre Leistungen in der Schule wurden besser. Zu der 45 Jahre alten Bettina sagte sie: "Du sollst meine Patin bleiben, bis du 100 bist!" Der Großteil der Kinder kommt aus türkisch- oder arabischstämmigen Familien. "Interkulturelle Sensibilität ist uns sehr wichtig", erklärt Efe. Schließlich stünden die Paten im engen Kontakt mit den Familien.

Manchmal ist das nicht leicht: Traditionell muslimische Familien akzeptierten nur Patinnen, während viele Jungen sich eine männliche Bezugsperson wünschen. "Gerade für jüngere Patinnen ist das schwierig", erklärt Efe. Die Stiftung suche dann einen Weg, der allen Beteiligten gerecht wird: Teenager könnten sich mit ihren Paten auch außerhalb der Familie treffen.

"Grundsätzlich gilt, dass unsere Patenschaften auf Augenhöhe stattfinden", macht Efe klar. Keiner der Paten solle die Kinder von oben herab behandeln.

Interessierte aus ganz Berlin können sich bei der Bürgerstiftung Neukölln bewerben: Sie durchlaufen ein Auswahlverfahren und müssen - zum Schutz der beteiligten Kinder und Familien - ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Kontakt: info@neukoellner-talente.de , Tel. 62 73 80 14