Musik

Klassik mit Kindern

"Mmmh...Mozart", so wirbt das Konzerthaus am Gendarmenmarkt für seine sonntäglichen Matineen. Denn dort gibt es Kaffee und Croissants bevor die Musik beginnt. Der Clou jedoch: Familien mit Kleinkindern können ihren Nachwuchs gegen einen geringen Aufpreis im Kleinen Saal abgeben.

- Dort wird parallel zum Klassischen Konzert eine musikalische Betreuung angeboten, die sich spielerisch mit dem Thema der Matinee beschäftigt.

Chefdirigent Lothar Zagrosek hatte die Idee. Der Erfolg hat alle Beteiligten verblüfft. "Es fühlte sich an, als hätten wir einen lang gehegten Wunsch klassikbegeisterter Eltern erfüllt", erinnert sich Gabriele Nellessen, Leiterin des Bereichs 'Junior' im Konzerthaus.

Die Kinderbetreuung während der Mozart-Konzerte ist allerdings nur eines unter vielen Junior-Projekten des Konzerthauses. Auch Musiktheateraufführungen zum Mitmachen, moderierte Konzerte speziell für Kinder, Familienführungen durch das Haus und Probenbesuche für Schulklassen gehören zum pädagogischen Angebot. "Unser Ziel ist es, das Haus für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen zu öffnen und ihnen die Musik so nahe wie möglich zu bringen", sagt Nellessen. "Dazu gehört auch, dass wir gezielt auf Jugendliche zugehen, die sonst niemals mit klassischer Musik in Berührung kommen würden."

Daher pflegt das Konzerthaus Schulpartnerschaften und geht regelmäßig direkt in die Klassen. Ehrenamtliche Pädagogenteams bereiten die Kinder auf den Konzertbesuch vor und erläutern, wie das Orchester aufgebaut ist. Später hat die Schulklasse die Möglichkeit, bei einer Probe mit den Orchestermusikern zu sprechen. "Die Nachfrage für diese Probenbesuche ist ziemlich hoch. An den Grundschulen könnten wir das ohne Ende machen", fügt Nellessen nicht ohne Stolz hinzu.

Vor elf Jahren hat das Konzerthaus eine Initiative ins Leben gerufen, die heute für jedes Orchester zur Selbstverständlichkeit geworden ist: Moderierte Konzerte für Kinder im Grundschulalter. Unter dem Titel "Entdeckungsreisen in die Welt der Musik" bieten Musiker des Konzerthausorchesters auch in der kommenden Saison wieder interessante Themen an.

Den größten Platz im Junior-Programm nehmen indes die Musiktheaterproduktionen ein. Zwei Dauerbrenner gibt es, "Papageno spielt auf der Zauberflöte" und "Der Freischütz für Kinder". Während der muntere, geschwätzige Vogelfänger aus Mozarts Oper schon seit 18 Jahren Kinder begeistert, hat der "Freischütz" in der laufenden Spielzeit sein zehntes Jubiläum gefeiert. Bisher waren alle Vorstellungen ausverkauft. "Der Reiz liegt wohl darin, dass wir ein interaktives Kindertheater anbieten. Wenn die Kinder wollen, können sie in der Aufführung kleine Rollen übernehmen. Tiere, Ungeheuer oder Bäume zum Beispiel", so Nellessen.

Vom Barock bis zur Moderne, von Purcell bis Poulenc spannt sich der musikalische Programmbogen. Das interaktive Musiktheater für Kinder gehört zum unverwechselbaren Profil des Konzerthauses. Gerade hier zeigt sich, wie kontinuierliche Basisarbeit ohne pädagogischen Zeigefinger und ohne Leistungsdruck Früchte tragen kann. Es ist kein Zufall, dass das Konzerthaus seinen Kinder- und Jugendbereich schlicht 'Junior' nennt und nicht 'Education' wie die Berliner Philharmoniker. "Das Erzieherische spielt bei uns natürlich auch eine Rolle, doch wir wollen vor allen Dingen, dass die Kleinen mit Spaß und Begeisterung bei der Sache sind."