Titelthema: „Lady Macbeth von Mzensk“

Tischlereikonzert: Von Schülern und Lehrern

„Ich habe bei ihm so viel gelernt, wovon ich vieles wieder vergessen musste. Aber um es vergessen zu können, musste ich es erst einmal gelernt haben!“ Dieses etwas reservierte Kompliment machte Dmitrij Schostakowitsch (1906-1975) seinem Lehrer Alexander Glasunow. Recht speziell war das Verhältnis zwischen dem hochgeehrten Altmeister und seinem eigenwilligen Zögling.

In seinen Memoiren schrieb Schostakowitsch, wie sein Lehrer während des Unterrichts immer wieder an einem Gummischlauch saugte, der zu einer Flasche Wodka in seiner Schreibtisch-Schublade führte. Trotzdem hat er Glasunow hochgeschätzt. Voller Bewunderung berichtete Schostakowitsch, wie Glasunow seinen Kollegen Tanejew ein neues Werk auf dem Klavier spielen hörte und das Stück gleich fehlerfrei nachspielte. Mit Leib und Seele war Glasunow Rektor und Professor am St. Petersburger Konservatorium. Für seine Studenten schrieb er unzählige Bittgesuche und Empfehlungsschreiben. Wenn nötig – wie bei Schostakowitsch – unterstützte er sie auch finanziell. So zwiespältig wie die Meinung Schostakowitschs über seinen Lehrer fiel übrigens auch die von Glasunow über seinen Schüler aus: „Ich finde seine Musik schrecklich. Es ist das erste Mal, dass ich die Musik nicht höre, wenn ich die Partitur lese. Aber das ist unwichtig. Die Zukunft gehört nicht mir, sondern diesem Jungen.“

Dmitrij Schostakowitsch war ein schwieriger Schüler und ein herausfordernder Lehrer. Das Tischlerei-Konzert untersucht seine Beziehungen zu Alexander Glasunow, Galina Ustvolskaya und Sofia Gubaidulina. Zehn Musiker aus dem Opernorchester, die Mezzosopranistin Jana Kurucová und der Tänzer Oren Lazovski haben ihren Kammermusik-Abend „Von Schülern und Lehrern“ genannt.

Galina Ustvolskaya ist wohl die eigenwilligste Komponistin, die die UdSSR hervorbrachte. Ihr Leben lang widersetzte sie sich den staatlichen Doktrinen und ertrug alle Repressalien. Von 1937 bis 1947 studierte sie am Leningrader Konservatorium. Dmitrij Schostakowitsch war ihr Kompositionslehrer – und mehr als das.

Er bewunderte seine Schülerin und ihre Musik. Ihre konsequente Haltung gegenüber der verordneten Ästhetik imponierte ihm sehr. Er fragte sie nach ihrer Meinung zu seinen neuen Stücken und verwendete musikalische Motive von ihr in seinen Kompositionen. Die Verknüpfung zwischen beruflichen und privaten Interessen führte zu Konflikten. Sie erreichten einen Höhepunkt, als Schostakowitsch seiner Schülerin einen Heiratsantrag machte und sie ablehnte.

Nach dem Studium unterstützte der berühmte Komponist Galina Ustvolskaya kaum. Die kompromisslose Komponistin zog sich zurück und verbrannte sämtliche Briefe von ihm. Immer habe er geschwiegen, wenn es schlecht um sie gestanden habe, sagte sie.

Auch Sofia Gubaidulina, Russlands bekannteste Komponistin des 20. Jahrhunderts, hatte es in der Sowjetunion nicht leicht. Schon der Studentin warf man vor, „auf dem falschen Weg“ zu sein. Gubaidulina studierte in Moskau bei Schostakowitschs Assistenten Nikolai Peiko. Er ermöglichte ihr 1959 ein Gespräch mit ihrem großen Vorbild Schostakowitsch. Sie beschrieb später die für sie so wichtige Begegnung: „Als ich ging, waren seine Worte: ,Seien Sie Sie selbst, haben Sie keine Angst, Sie selbst zu sein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihrem eigenen falschen Weg weitergehen.’“

Die Komponistin fühlte sich gestärkt: „Jeder Fehlschlag, jede Kritik berührte mich nicht mehr und lief an mir ab wie das Wasser am Rücken einer Ente. Ich war nun wirklich in der Lage, meinen eigenen Weg zu gehen."

19. Januar, 20 Uhr, Tischlerei