"Madama Butterfly" und "Tosca"

Poesie der kleinen Dinge

Die scheinbar kleinen Dinge sind nicht klein, sondern sie sind die Grundlage jeglichen Lebens und jeglicher Kommunikation. Einfach ist gar nichts, auch wenn es so scheint. Und deswegen muss der Begriff der "Poesie der kleinen Dinge", die der große Musikschriftsteller Rodolfo Celletti in Anlehnung an eine Bemerkung von Puccini selbst prägte, auf dem ersten Substantiv betont werden.

Puccini hat, Strömungen der Zeit des Naturalismus und des Verismo aufnehmend, ganz bewusst den Weg in die Moderne gesucht, der Komponisten wie Berg, Hindemith, Krenek und Schönberg in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zur Zeitoper geführt haben.

"Tosca", uraufgeführt am 14. Januar 1900, steht in besonderer Weise am Wendepunkt: mit Cavaradossis "Recondita armonia" im 1. und Toscas "Vissi d'arte" im 2. Akt bietet sie noch einmal zwei Höhepunkte des lyrischen Operngesangs und öffnet sich mit "E lucevan le stelle" im 3. Akt einer Sprechmelodie, die eine merkwürdige Parallele bei Leos Janácek findet. Eröffnet aber wird die Partitur mit den drei Akkorden des Scarpia, die in einer Brutalität nebeneinander gesetzt werden, die schon den "stile barbaro" Strawinskys und Bartóks ahnen lassen.

"Madama Butterfly", vier Jahre später uraufgeführt, ging musikalisch noch einen bedeutenden Schritt weiter. Formbildendes Element wird nun ein Geflecht aus "exotischen" Motiven, japanischen Melodien (dem Komponisten von der Frau des japanischen Botschafters in Rom vorgesungen) und die amerikanische Nationalhymne etwa. Die Musiksprache ist jetzt aber deutlich vom Impressionismus und seinen (ebenfalls durch die Begegnung mit "exotischer" Musik angeregten) Ganztonleitern und -harmonien beeinflusst. Eine Arie für den Tenor "vergaß" der Komponist in der ersten Fassung gleich ganz, das berühmte "Addio fiorito asil" Pinkertons erklang erst in der zweiten Fassung. Dafür aber fokussierte er alles Mitleiden auf die "kleine Frau Schmetterling", deren Tragödie dem Kolonialismus einen schonungslosen Spiegel vorhält.

"Tosca" und "Madama Butterfly" sind "Klassiker" im Repertoire der Deutschen Oper Berlin. Beide Inszenierungen waren einst von ihren musikalischen Leitern geprägt, "Tosca" vor 42 Jahren von Lorin Maazel und "Madama Butterfly" vor 24 Jahren von Giuseppe Sinopoli. Beide haben sich aber schnell ins Repertoire eingefügt und haben seither immer wieder großen Sängern, vor allem aber auch Sängerinnen auf dem Weg zur großen Karriere Gelegenheit geboten, sich dem Berliner Publikum vorzustellen.

Takesha Meshé Kizart, die als Marie Victoire in Respighis gleichnamiger Oper triumphalen Erfolg feierte, ist in allen vier Vorstellungen Madama Butterfly, zwei ganz junge Tenöre wechseln sich als Pinkerton ab: der Bulgare Kamen Chanov und der Ukrainer Dmytro Popov. Tosca ist Violeta Urmana, Scarpia Greer Grimsley und am 25. Mai singt Tuiago Arancam den Cavaradossi, am 28. Mai Salvatore Licitra.

Termine:

Madama Butterfly am 5., 8., 14 und 27. Mai

Tosca am 25. und 28. Mai